Thorsten Encke, Alban Berg, Franz Schubert
9. Philharmonisches Konzert
Solist: Benjamin Schmid (Violine) | Dirigent: Georg Fritzsch
Sonntag | 17. Juni 2012 | 11 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 18. Juni 2012 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Thorsten Encke (*1966): Ströme (URAUFFÜHRUNG)
Alban Berg (1885-1935): Violinkonzert
Franz Schubert (1797-1828): Große C-Dur-Sinfonie
Solist: Benjamin Schmid (Violine)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Thorsten Encke kann für sein kompositorisches Schaffen aus langjähriger eigener Orchestererfahrung schöpfen. 1999 kündigte er seine Stelle als 1. Solocellist im Philharmonischen Orchester Gera, um sich vermehrt auf solistische Aufgaben sowie das Komponieren konzentrieren zu können. 2005 gewann er den Kompositionswettbewerb des Pablo Casals Festivals Prades. Daraufhin erhielt er zahlreiche Kompositionsaufträge, unter anderem von den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Das Werk, das er für die Kieler Philharmoniker schreibt, trägt den viel versprechenden Titel Ströme und wurde durch ein Gedicht Günter Kunerts angeregt.
Die Inspirationsquelle für Bergs Violinkonzert war hingegen eine schöne junge Frau. Das Konzert ist „dem Andenken eines Engels“ gewidmet. Dieser Engel hieß Manon Gropius – die Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius – und verstarb tragischerweise mit nur 18 Jahren. Der darüber tief erschütterte Berg beschloss, sein Violinkonzert als eine Art Requiem für Manon zu konzipieren, indem er „Wesenszüge des jungen Mädchens in musikalische Charaktere umsetzte“. Tatsächlich kann der 1. Satz mit seinem ungewöhnlich zarten Beginn und seinen Ländleranklängen als Abbild der jungen Frau aufgefasst werden, während der 2. Satz Manons Krankheit und Tod schildert und dabei den Bach-Choral „Es ist genug“ verarbeitet. Obwohl dieses Konzert, das überwiegend auf einer 12-Ton-Reihe basiert, streng durchorganisiert wirkt, erschließt es sich dem Hörer für ein Werk der „Zweiten Wiener Schule“ ungewöhnlich leicht und versteht es, 12-Ton-Technik und tonale Reminiszenzen in perfekten Einklang zu bringen.
Schuberts Große C-Dur-Sinfonie gilt als Krönung seines sinfonischen Œuvres und durfte die Entwicklung der Musikgeschichte vor allem dank Robert Schumanns detektivischem Spürsinn nachhaltig beeinflussen. Dieser hatte eine Partiturabschrift des bislang noch unaufgeführten Werks bei Schuberts Bruder Ferdinand in Wien entdeckt und 11 Jahre nach Schuberts Tod seine Erstaufführung durch das berühmte Gewandhausorchester veranlasst. Nicht nur seinen Entdecker ermutigte dieses Werk, dass es selbst nach Beethovens übermächtiger Neunter noch möglich war, die Sinfonik weiter zu entwickeln. Schubert stieß in seiner Achten das Tor zur Romantik bereits weit auf, wobei der musikalische Weg hier vom bewusst Unsicheren zum Klaren, „Erlösenden“ zu führen scheint, was das alles überstrahlende Ende der Sinfonie aufs Schönste nahelegt.
Montag | 18. Juni 2012 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Thorsten Encke (*1966): Ströme (URAUFFÜHRUNG)
Alban Berg (1885-1935): Violinkonzert
Franz Schubert (1797-1828): Große C-Dur-Sinfonie
Solist: Benjamin Schmid (Violine)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Thorsten Encke kann für sein kompositorisches Schaffen aus langjähriger eigener Orchestererfahrung schöpfen. 1999 kündigte er seine Stelle als 1. Solocellist im Philharmonischen Orchester Gera, um sich vermehrt auf solistische Aufgaben sowie das Komponieren konzentrieren zu können. 2005 gewann er den Kompositionswettbewerb des Pablo Casals Festivals Prades. Daraufhin erhielt er zahlreiche Kompositionsaufträge, unter anderem von den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Das Werk, das er für die Kieler Philharmoniker schreibt, trägt den viel versprechenden Titel Ströme und wurde durch ein Gedicht Günter Kunerts angeregt.
Die Inspirationsquelle für Bergs Violinkonzert war hingegen eine schöne junge Frau. Das Konzert ist „dem Andenken eines Engels“ gewidmet. Dieser Engel hieß Manon Gropius – die Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius – und verstarb tragischerweise mit nur 18 Jahren. Der darüber tief erschütterte Berg beschloss, sein Violinkonzert als eine Art Requiem für Manon zu konzipieren, indem er „Wesenszüge des jungen Mädchens in musikalische Charaktere umsetzte“. Tatsächlich kann der 1. Satz mit seinem ungewöhnlich zarten Beginn und seinen Ländleranklängen als Abbild der jungen Frau aufgefasst werden, während der 2. Satz Manons Krankheit und Tod schildert und dabei den Bach-Choral „Es ist genug“ verarbeitet. Obwohl dieses Konzert, das überwiegend auf einer 12-Ton-Reihe basiert, streng durchorganisiert wirkt, erschließt es sich dem Hörer für ein Werk der „Zweiten Wiener Schule“ ungewöhnlich leicht und versteht es, 12-Ton-Technik und tonale Reminiszenzen in perfekten Einklang zu bringen.
Schuberts Große C-Dur-Sinfonie gilt als Krönung seines sinfonischen Œuvres und durfte die Entwicklung der Musikgeschichte vor allem dank Robert Schumanns detektivischem Spürsinn nachhaltig beeinflussen. Dieser hatte eine Partiturabschrift des bislang noch unaufgeführten Werks bei Schuberts Bruder Ferdinand in Wien entdeckt und 11 Jahre nach Schuberts Tod seine Erstaufführung durch das berühmte Gewandhausorchester veranlasst. Nicht nur seinen Entdecker ermutigte dieses Werk, dass es selbst nach Beethovens übermächtiger Neunter noch möglich war, die Sinfonik weiter zu entwickeln. Schubert stieß in seiner Achten das Tor zur Romantik bereits weit auf, wobei der musikalische Weg hier vom bewusst Unsicheren zum Klaren, „Erlösenden“ zu führen scheint, was das alles überstrahlende Ende der Sinfonie aufs Schönste nahelegt.
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