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2. Philharmonisches Konzert

Sonntag | 23. Oktober 2016 | 11.00 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 24. Oktober 2016 | 20.00 Uhr | Kieler Schloss

Edvard Grieg (1843-1907)                            
Konzertouvertüre Im Herbst, op. 11 (1888)            

Jean Sibelius (1865-1957)                          
Violinkonzert d-Moll, op. 47 (1905)                            

Dimitri Schostakowitsch (1906-1975)            
10. Sinfonie e-Moll, op. 93 (1953)                     


Solist Marc Bouchkov (Violine)
Dirigent Rani Calderon

Geschickt gezügelte Wildheit und tiefe Emotionen verbergen sich in den drei »Power«-Werken dieses Konzerts. So klingen in Griegs Ouvertüre Im Herbst durch die zahlreichen kraftvollen Impulse und ausgelassenen Abschnitte neben melancholischen Passagen auch die stürmischen Freuden dieser Jahreszeit wie Jagd und Erntefeste an. Auch der Titel der Vorlage – Griegs eigenes Klavierlied Herbststurm – dürfte den Hörer kaum verwundern, denn aus der mustergültigen Sonatensatzform der Ouvertüre blitzt immer wieder die musikalische Unbändigkeit ihres Komponisten durch, dem sie unter anderem ihr feuriges Ende nach Art eines norwegischen Springtanzes verdankt, das der Dirigent Bjarte Engeset begeistert als »norwegisches Bacchanal« beschrieb.    

Sibelius' einziges Violinkonzert gilt in seiner dreisätzigen Anlage mit den typischen Satzcharakteren zwar noch als ein typischer Vertreter des traditionellen romantischen Solokonzerts, doch wirkt es mit seiner leidenschaftlichen Melodieführung, den teilweise freien, rhapsodischen Passagen und der beinahe unglaublichen Klangintensität eher wie eine persönliche Liebeserklärung an die Violine. Obgleich Werke wie Finlandia Sibelius' Heimatverbundenheit noch offensichtlicher präsentieren mögen, scheinen auch viele Momente des Violinkonzerts archaische Nordlandschaften zu imaginieren: vom allerersten Beginn mit dem einsam-sehnsuchtsvollen Gesang des Soloinstruments bis hin zu den extrem tiefen Violinklängen des Finales, das zudem durch seine überschäumende Virtuosität beeindruckt.

»Mit diesem Werk möchte ich menschliche Gefühle und Leidenschaften übermitteln«, bekannte Schostakowitsch über seine 1953, nur wenige Monate nach Stalins Tod, entstandene 10. Sinfonie, in der er seine Erinnerungen an die Zeit der grausamen Diktatur verarbeitete. 19 Jahre zuvor war seine Oper Lady Macbeth von Mzensk offiziell als »Chaos statt Musik« abgeurteilt worden. Er selbst, der bis dato an die Versprechungen des Sowjetregimes geglaubt hatte, galt plötzlich als Volksfeind, der um sein Leben bangen musste. Mit seiner 10. Sinfonie begann eine neue Phase seiner künstlerischen Existenz. Während der dunkel-tragische 1. Satz den Opfern der Gewaltherrschaft zu gedenken scheint, zeichnet das zwischen faszinierender Groteske und Brutalität schwankende Scherzo nach Schostakowitschs eigenen Worten ein »musikalisches Porträt von Stalin«. Diesem stemmt sich in den beiden Schlusssätzen sein eigenes tönendes Monogramm D-Es(=S)-C-H entgegen, wobei dessen fast zwanghafte Wiederholungen am Ende des 3. Satzes ebenso stutzig machen wie die Reminiszenzen, welche die vordergründige Munterkeit des Finales trüben: Glaubte Schostakowitsch wirklich noch an politisches Tauwetter und seine Rehabilitation? 

 

Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr

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Bei diesem Konzert (wie bei allen weiteren Philharmonischen Konzerten der Spielzeit 2016/17) gilt das exklusive Angebot GEMEINSAM BEGEISTERN, bei dem 4 Konzertkarten zum Preis von 3 erworben werden können (bereits gekaufte Karten werden dabei angerechnet).

 

 

Hintergrundfoto © Nikolaj Lund