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9. Philharmonisches Konzert

So 18.06. 11:00 Karten
Mo 19.06. 20:00 Karten

Sonntag | 18. Juni 2017 | 11.00 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 19. Juni 2017 | 20.00 Uhr | Kieler Schloss
 

Gustav Mahler (1860-1911)
9. Sinfonie D-Dur (1912)                       


Dirigent Georg Fritzsch

 

Als »großes, herrliches Lied vom Nimmerwiedersehen« wurde der 1. Satz von Mahlers 9. Sinfonie nach der posthumen Uraufführung 1912 beschrieben. Dieses, sein letztes vollendetes Werk bedeutete Abschied und Neuanfang zugleich. Biographisch betrachtet verarbeitete der Komponist in ihm sein persönliches »Schicksalsjahr« 1907, in dem er den Tod seiner erst fünf Jahre alten Tochter Maria Anna, die Diagnose eines lebensbedrohlichen Herzleidens sowie seinen von antisemitischer Hetze begleiteten Bruch mit der Wiener Staatsoper verkraften musste. Musikhistorisch gesehen hat Mahler zwar nie atonales Neuland betreten, doch in dem scheinbar chaotischen Neben- und Gegeneinander höchst diverser Formen und Stilrichtungen, der Zersetzung traditioneller Modelle und der äußersten Zuspitzung des Ausdrucks nahm er hier einen überwältigenden Abschied von der Spätromantik, um damit die Tore für die noch junge Moderne weit aufzustoßen.

Kühn erscheint allein schon die äußere Form mit den zwei langsamen Ecksätzen, welche zwei schnelle und dabei ebenso außergewöhnliche Binnensätze umrahmen. Bereits der knapp halbstündige, von Nostalgie und verzehrender Sehnsucht gleichermaßen durchdrungene 1. Satz lässt an der Abschiedsthematik dieser Musik keinerlei Zweifel. So gemahnt die »unendliche Melodie« des bitter-süßen Hauptthemas zuweilen an den »Lebe wohl!«-Ruf aus Beethovens Klaviersonate op. 81a (Les Adieux), während eine Anspielung an Johann Straußʼ Walzer Freut euch des Lebens als eine wehmütige Reminiszenz an seine Jugend zu verstehen ist.

Der 2. Satz entpuppt sich hingegen als bizarr durcheinandergewürfelte Abfolge dreier verschiedener Ländler- und Walzertypen. Bewusst bieder gehalten »trampeln« diese zunächst recht trivial daher, um sich dann aber durch die mahlertypischen, fratzenhaften Übertreibungen als schräger Abgesang einer Epoche zu outen, die in ihrem verblendeten Vergnügungswahnsinn auf das Inferno des 1. Weltkriegs zusteuerte.

Die »Rondo-Burleske« des 3. Satzes weiß diese Untergangsparodie durch ihr wildes Gebräu aus Fugati und Gassenhauern, Anklängen an Militärmusik und Operettenschmankerln sogar noch zu steigern: So muss die Lounge-Musik in Dantes Inferno klingen, und unwillkürlich meint man zu hören, wie Goethes Mephisto aus Auerbachs Keller kräht: »Merkt euch, wie der Teufel spaße!«

Beantwortet wird diese musikalische Ausgeburt der Hölle durch das zutiefst berührende Adagio des Finales, einer zwischen expressiver Gefühlsdichte und tröstlicher Gelassenheit pendelnden Auseinandersetzung mit den Themen Gottessuche, Glaubenszweifel und Erlösung. Aus dem einzigartigen »Verstummen« der Musik gegen Ende steigt schließlich eine allerletzte Violinmelodie empor, die mit einem Zitat aus dem vierten der Kindertotenlieder Mahlers tiefste Überzeugung offenbart, dass auf den Tod ein neues Leben, ein Wiedersehen »auf jenen Höhʼn im Sonnenschein« folgen muss.  

 

Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr

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Bei diesem Konzert (wie bei allen weiteren Philharmonischen Konzerten der Spielzeit 2016/17) gilt das exklusive Angebot GEMEINSAM BEGEISTERN, bei dem 4 Konzertkarten zum Preis von 3 erworben werden können (bereits gekaufte Karten werden dabei angerechnet).