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Kurt Weill

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Text von Bertolt Brecht - mit Übertiteln -

In Mahagonny, der »Netze-Stadt«, soll eine Woche sieben Tage ohne Arbeit bedeuten, im Zentrum der Stadt steht das Hotel »zum reichen Mann«. Eine Stadt der Ruhe und Eintracht, des Genusses und der Freizeit - und des Konsums! Ein Paradies auf Erden in den Augen ihrer Gründer. Doch auch im Paradies gibt es Schlangen ...

In Mahagonny sind es die Verbote, die unzufrieden machen. Angesichts eines drohenden Hurrikans findet Jim Mahoney die Lösung: Gesetzlosigkeit! Von nun an lautet die Devise: »Erstens, vergesst nicht, kommt das Fressen, zweitens kommt die Liebe dran, drittens das Boxen nicht vergessen, viertens Saufen so lang man kann. Vor allem aber achtet scharf, dass man hier alles dürfen darf.« Jetzt gibt es in Mahagonny nur noch ein Verbrechen, nämlich das, kein Geld zu haben!

»Hallo, meine sauberen Herren Brecht und Weill, Ihre Tage dürften wohl ebenfalls so gezählt sein wie die Ihrer Abschaumstadt Mahagonny« stand in der »Zeitschrift für Musik« nach der skandalträchtigen Uraufführung von Mahagonny 1930 in Leipzig zu lesen. Der Kritiker irrte: In Zeiten der »Freizeitgesellschaft« und der Börsenkrisen, in Zeiten, in denen Besitz gesellschaftliche Anerkennung bedeutet, in denen virtuelle Welten zur Realität werden oder umgekehrt die Wirklichkeit »virtualisiert« wird, in denen Gewalt und Gefahr dem Alltag den entscheidenden »Kick« geben sollen, in solchen Zeiten bleibt Mahagonny aktuell!

Wiederaufnahme am 15. Oktober 2015

Pressestimmen

Der Stachel im Wohlbefinden (15.06.2015)

Kiel war nach der Ächtung durch die Nazis eines der ersten Theater, das diese allemal sperrige Tour-de-Force durch die Stile wieder aufführte. Jetzt beendet dasselbe Opernhaus mit diesem Stachel im Fleisch gesellschaftlichen Wohlbefindens eine mit der Barock-Rarität Atys und der Fernost-Moderne Matsukaze erstaunlich mutige Saison. Und das mit sehr großem Erfolg beim Premierenpublikum.

Dabei dauert es ..., bis der Regisseur Ansgar Weigner das Gehabe in der aus dem Wüstensand gestampften Netzestadt à la Vegas von einer puppenlustigen Revue der trashigen Kostüme und Perücken (Christof Cremer) ... in eine klingende Anklage kippen lässt, eine, die unter die Haut geht. Erst wenn Flüchtlinge am Schutzwall der Wohlsituierten abprallen, Frauenkörper nicht mehr groß von Schweinehälften unterschieden werden, die Tritte des Ich gegen das Du bis in den dann erleuchteten Zuschauerraum herüberzüngeln und die Anarchie des Eigenwillens elementare Menschenrechte beugt, kriecht das notwendige Unbehagen ins Stück.

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Kurt Weills allemal anstrengend fordernde Partitur, eine wirklich wilde Mixtur irgendwo zwischen Webers Jungfernkranz, Wiener Heurigen-Parodie, Dreigroschensong, Kontrapunkt-Avantgarde und Jazz-Testlauf ist bei den Kieler Philharmonikern unter der feinnervigen Leitung des scheidenden Ersten Kapellmeisters Leo Siberski in besten Händen. Betörende Saxophon-Soli, scharfe rhythmische Akzente und opernhaft aufgeplusterte Tableaus – alles reizt hier die Sinne. ...

Kieler Nachrichten - Christian Strehk