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Léo Delibes

Coppélia

Ballett von Yaroslav Ivanenko, ca. zwei Stunden, Pause nach dem 1. Akt
Spielstätte: Opernhaus
Fr 09.12. 19:30 Besetzung Restkarten
Sa 14.01. 19:30 Besetzung Karten
Sa 21.01. 19:30 Besetzung Karten
Fr 27.01. 19:30 Karten
Mi 01.02. 19:30 Karten
So 05.02. 16:00 Karten
Fr 10.03. 19:30 Karten
Di 14.03. 19:30 Karten
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Puppen und mechanische Wesen, die menschliche Handlungen imitieren, faszinieren die Menschheit seit Jahrhunderten. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert bauten findige Mechaniker Automaten, die Schach spielen, kleine Texte schreiben oder Musik machen konnten. Arthur Sain-Léon und Charles Nuitter, die das Libretto zu Léo Delibes Coppélia verfassten, greifen die Thematik auf. Inspiriert von E. T. A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann  und Adolphe Adams komischer Oper Die Nürnberger Puppe schaffen sie eine leichtfüßige Adaption des Stoffes, die sich durch eine bemerkenswerte dramatische Entwicklung auszeichnet. Uraufgeführt 1870 in Paris, erlangte das Ballett insbesondere dank der Komposition Delibes, die eine bis dato ungewöhnliche orchestrale Plastizität und melodische Raffinesse auszeichnen, große Popularität.

Yaroslav Ivanenko übernimmt die vier Hauptcharaktere des Originals, Franz, Swanilda, Coppélius und Coppélia, und entwickelt um sie herum eine neue Geschichte. Seit vielen Jahren arbeitet der sonderbare Coppélius zurückgezogen in seiner Werkstatt: Er möchte eine menschenähnliche mechanische Puppe bauen. Jetzt ist er am Ziel und nennt sein Meisterwerk Coppélia. Und tatsächlich, der junge Franz ist derart fasziniert von der fremden Schönen, dass er über ihren Anblick sogar seine Verlobte Swanilda vergisst. Bereitwillig folgt er Coppélia, als sie ihn ins Haus des Erfinders lockt. Coppélia »funktioniert« so gut, dass sie sogar ihren eigenen Willen entwickelt und die anderen Puppen im Haus gegen ihren Schöpfer Coppélius aufwiegelt. Auch Franz gerät immer mehr in die Fänge der Puppen. Wird Swanilda ihn finden und werden die beiden wieder zusammen kommen?


Premiere am 5. November 2016 im Opernhaus

Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

Pressestimmen

Rundum gelungen (07.11.2016)

Yaroslav Ivanenko poliert Coppélia zu einem höchst amüsanten und gleichzeitig mit der richtigen Dosis Nachdenklichkeit versehenen Zweiakter, der auf jegliche Effekthascherei verzichtet und Alt und Jung gleichermaßen erfreut. Das gelingt nicht zuletzt deshalb so gut, weil Ivanenko die Handlung entstaubt, gestrafft und die Musik von Léo Délibes neu arrangiert hat. ...

Coppélia ist bei Ivanenko kein süßliches Püppchen, sondern eine flotte Biene mit diktatorischen Ambitionen. Einmal von Coppélius zum Leben erweckt, lässt sie die Puppen tanzen... Großartig das Bühnenbild in zwei Ebenen von Norbert Ziermann mit schlichten, drehbaren Hausfassaden für die Straßen- und die Innenseite, sowie einem Keller in der Unterbühne, die bei Bedarf hochgefahren wird. ... Es ist diese freche, dynamische Neuinterpretation..., die dem ganzen Stück Schwung und Stil gibt. Da ist nichts Überflüssiges, nichts, was Langeweile aufkommen lassen könnte. Perfekt auch die Kostüme: Heiko Mönnich zeigt hier, wie eine maßgeschneiderte Ausstattung die Intention eines Stücks stilistisch unterstreichen kann. Genial seine Idee, die Puppen wie Aliens zu verkleiden – mit Gesichtsmasken und in monotonen Sandfarbtönen.

Und dann die Tänzer! Allen voran Marina Kadyrkulova in der Titelrolle und Momoko Tanaka als Swanilda – mit blitzsauberer Technik und hoher Musikalität. Ihnen zur Seite nicht minder eindrucksvoll Martin Anderson als wunderbar verschrobener Coppélius und Shori Yamamoto als flotter Franz. Aber auch das ganze Ensemble glänzt mit großer Spielfreude und Akkuratesse – was umso mehr hervorzuheben ist, als Ivanenko seinen TänzerInnen schwierige und temporeiche Ensemblechoreografien verpasst hat. Diese Brillanz im Auftritt ist nicht zuletzt das Verdienst der Kieler Stellvertretenden Ballettdirektorin und Ballettmeisterin Heather Jurgensen, langjährige Erste Solistin im Hamburg Ballett, die hier offenbar all ihre Erfahrung, aber auch all ihre Liebe und Hingabe an den Tanz eingebracht hat. Eine Saat, die hier aufs Feinste aufgeht.

Tanznetz - Annette Bopp

Zwischen Puppenreich und Menschenwelt (07.11.2016)

Die historische Handlung hat Ivanenko in seiner Coppélia erfrischend grundüberholt, überraschende Pointen platziert und der Titelheldin viel Raum gegeben, einen durchaus widerborstigen Charakter zu entfalten. Stürmischen Applaus gab es nach der gelungenen Premiere unter der versierten musikalischen Leitung von Moritz Caffier für Yaroslav Ivanenko und sein durchweg hervorragendes Ensemble.

Der Abend ist ein Fest fürs Auge. Dafür sorgt unter anderem das magisch anmutende Bühnenbild von Norbert Ziermann. Ein stattliches Bürgerhaus lässt er wie durch Zauberhand Ansicht und Größe wechseln und stattet es mit einem hydraulisch beweglichen Kellergeschoss aus, das Einblicke in die Werkstatt eines harmlosen Frankensteins gewährt. ...

Marina Kadyrkulova hat die steife Körpersprache des Automaten glänzend verinnerlicht. Man meint die Scharniere quietschen zu hören, wenn sie in kinetisch undenkbaren Positionen verharrt, um kurz darauf mit einer seltsam abgehackten Schlängelbewegung ins „Leben“ zurückzufinden. ...Ivanenko kann mehr als zufrieden sein.

Kieler Nachrichten - Sabine Tholund