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Eugène Scribe, Gaetano Rossi und Émile Deschamps
Giacomo Meyerbeer

Die Hugenotten

- in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln -, ca. 3 Stunden und 20 Minuten, inklusive einer Pause
Spielstätte: Opernhaus
Do 15.12. 19:00 Besetzung Karten
Mi 04.01. 19:00 Karten
Sa 04.02. 19:00 Karten
So 19.02. 19:00 Karten
Sa 18.03. 19:00 Karten
Fr 14.04. 17:00 Karten
Do 20.04. 19:00 Karten

Frankreich, 1572: Die protestantischen Hugenotten und die herrschenden Katholiken kämpfen erbittert um die Macht im Land. Die Hochzeit zwischen der Schwester des Königs, Marguerite de Valois, und dem protestantischen Prinzen Heinrich von Navarra soll die Lage befrieden. Ebenso wollen der Hugenotte Raoul de Nangis und die Katholikin Valentine de Saint-Bris eine konfessionsüberschreitende Liebe leben. Doch alle Annäherungen werden blutig niedergeschlagen: in der »Bartholomäusnacht« sterben über 3000 Hugenotten in einem Massaker…

Die Oper über Religionskonflikte: Giacomo Meyerbeers historisches Ideendrama revolutionierte 1836 die Bühnenwelt und war die meistgespielte Oper des 19. Jahrhunderts. Höchste Zeit also, dass dieses Grenzen sprengende Ausnahmewerk zum 500jährigen Reformationsjubiläum 2017 auch in Kiel zu erleben ist.

Premiere 24. September 2016

Spieldauer: ca. 3 Stunden und 15 Minuten (inklusive einer Pause)

Audio

Die Hugenotten

ab dem 24. September im Opernhaus Kiel

Pressestimmen

Lebendiges Musiktheatermuseum (25.09.2016)

... Die Hugenotten sind der Steinbruch, aus dem Berlioz, Verdi und Wagner ihre heute viel bekannteren eigenen Musikdramenwelten schufen.

Voraussetzung für solche Aha-Erlebnisse sind Stilgefühl und virtuose Angriffslust. Kiels Stellvertretender Generalmusikdirektor Daniel Carlberg bringt beides ein. Er hat mit den in Teilen auf historisierenden Naturinstrumenten spielenden Philharmonikern einen mitreißend griffig voranpreschenden Meyerbeer-Sound abgemischt. Er kann dabei auf die von Lam Tran Dinh reaktionsschnell und vielfarbig studierten Chöre mit ihrer riesigen französischsprachigen Partie zählen. Und er hat ein erstaunlich stimmig besetztes Belcanto-Ensemble an der Hand.

Die gefürchtete Riesenpartie des erst hofierten, dann verfolgten hugenottischen Edelmanns Raoul liegt dem russischen Tenor Anton Rositzkiy enorm gut. Er betört mit weich durch die Register gleitenden Tönen, hat aber auch die Attacke für Spitzentöne und dramatische Gegenwehr. Agnieszka Hauzer passt mit ihren tragisch gedeckten und entsetzt aufflammenden Klagelauten als unglückliche Geliebte Valentine ähnlich optimal zu ihm wie Daniela Bruera: Die Koloratur-Zumutungen der Königin Marguerite, aber auch die etwas zwielichtigen Zwischentöne im Geschlechterkampf um den Religionsfrieden fließen der Italienerin mit faszinierender Geschmeidigkeit aus der Kehle.

Dieses überall konkurrenzfähige Spitzentrio mit zwei Gästen wird imposant aus dem Haus flankiert  – ... Da glänzt der Kavalierbariton Tomohiro Takada als hochmütig ironischer, aber letztlich moralisch sauberer katholischer Graf von Nevers. Jörg Sabrowski gibt dem finster unversöhnlichen und dafür mit dem Tod seiner Tochter bestraften Grafen von Saint Bris zumindest im tieferen Register Statur. Der Bass Timo Riihonen poltert und dröhnt, wie es sich für den ungeschlachten protestantischen Haudegen-Diener Marcel gehört. Und wie ein lichtes Gegenbild macht der königliche Page Urbain ... im mühelos aufgeregten Gezwitscher von Sopranistin Karola Sophia Schmid pure Freude.

Der deutsche Wahlfranzose Lukas Hemleb, spürbar tief geprägt von der ... Pariser Comédie-Française, ist als Regisseur ein Könner in Sachen Theatermuseum. Wie da Mantel-und-Degen-Tableaus entsprechend Gemälden Alter Meister gestellt, der Chor in Massenszenen drapiert, handelnde Personen auf leerer Fläche raumgestaffelt in Beziehung gesetzt oder die finale Schlachtszene der Bartholomäusnacht mit Pogrom-Grausamkeit und Theaterblut aufgepumpt wird, ist kunstvoll künstlich umgesetzt.

Dabei herrscht nirgends der Eindruck des muffig Verstaubten, denn die historischen Kostüme von Falk Bauer sind so opulent und kontrastreich farbstark bildprägend, dass echte Hofdamen und Edelmänner des 16. Jahrhunderts vermutlich vor Neid erblasst wären. Gianni Carluccios Lichtführung und Bühne arbeitet im Wesentlichen nur mit einer matt spiegelnden, schräg gekippten Rückwand, die den Eindruck von Masse an Akteuren geschickt verstärkt.

Das Fazit im allseitigen Rausch des Beifalls: Am 13. November wird es die Deutsche Oper in Meyerbeers Heimatstadt Berlin sicher »anders« machen – »besser« wird aber nicht leicht sein.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Die famose Rückkehr der Hugenotten (26.09.2016)

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Faszinierend sind die bestens aufgelegten Sängerdarsteller in ihren höchst anspruchsvollen Rollen - vom krafvollen jungen Tenor Anton Rositskiy (Raoul) über die in königlicher Selbstdarstellung kolorierende Daniela Bruera (Prinzessin Marguerite), die hochdramatisch agierende Agnieszka Hauzer (Valentine), den generös auftretenden Bariton Tomohiro Takada (Graf Nevers) bis hin zum finsteren Jörg Sabrowski (Graf Saint-Bris), der feinstimmigen jungen Sopranistin Karola Sophia Schmid (Page Urbain) und dem mit satten Tiefen auftruimpfenden Hünen Timo Riihonen (Marcel) - den großartigen Chor nicht zu vergessen.

Dabei nutzt das Regieteam um Lukas Hemleb die fast leere Bühne mit raffiniertem Farb- und Requisitenspiel für immer neu sich findende historisierende Figuren-Tableaus, die in ihrer finsteren Suggestivität an Gemälde alter Meister des 16. Jahrhunderts erinnern. Den direkten Bezug zum Schicksal des Meyerbeer'schen Werks oder zu aktuellen Ausgrenzungsgeschichten überlässt man dabei weitgehend dem Zuschauer - nur der übergroße Zerrspiegel, der die Bühne nach hinten begrenzt, bildet eine Brücke in die Gegenwart.    Unbedingt sehenswert!

SHZ - Christoph Kalies

Wiederauferstehung der Hugenotten (27.09.2016)

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Auch für größere Häuser als Kiel stellt die Realisation dieses Werkes eine Herausforderung dar. Die Anforderungen an die Stimmen sind exorbitant, das vielschichtige Szenario der Handlung erfordert eine straffe Umsetzung, die immer auch umsichtige Kürzungen und Striche der Riesenpartitur bedingt. Die Gesamtaufführungsdauer überschritte ansonsten die fünf Stunden.

Das Leitungsteam um Lukas Hemleb mit Joanna O'Keefe als verantwortlicher Choreografin, Gianni Carluccio für Bühne und Licht sowie Falk Bauer für die Kostüme setzt auf eine die übergroße Geste der Grand opéra meidende, nur mit sparsamen Requisiten ausgestattete und umso mehr mit eindringlichen Lichteffekten im Hintergrund arbeitende Raumgestaltung. Dieser offene Raum dient als Labor-Plattform, um die Eigenarten und Qualität der nicht mehr allseits bekannten Musik Meyerbeers jenseits aller überdimensionierten, falsch verstandenen Gestik der Grand opéra zu hinterfragen. Die Sparsamkeit im Dekor fordert auch neben den schon anspruchsvollen Gesangspartien die Darstellungsfähigkeiten der Solisten und des Chores besonders heraus.

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Anton Rositskiy verausgabt sich stimmlich und darstellerisch rückhaltlos und vermag die Person des Raoul de Nangis glaubhaft zu verkörpern. Angesichts der ungeheuren stimmlichen Anforderungen eine bewundernswürdige Leistung. Das teilweise statuarische Spiel mit vielen klassischen Operngesten kann in einer anderen Personenführung sicherlich optimiert werden. Timo Riihonen gibt seinen Diener Marcel, der in Kurwenal-ähnlicher Treue stets zur Seite ist und darstellerisch wie stimmlich durchweg überzeugt.

Großen Erfolg feiert Daniela Bruera als Marguerite de Valois, die die Herausforderungen der Rolle beeindruckend erfüllt und die stimmliche Linienführung der Gesangspartie so herausragend meistert, als ob sie schon immer in der Zeit Meyerbeers und seiner Gesangskultur zuhause wäre.  

Valentine de Saint-Bris wird von Agnieszka Hauzer verkörpert. Die zerbrechliche Aura ihrer Person im tragischen Mittelpunkt der tödlichen Auseinandersetzung wird von ihr mit jugendlicher Poesie und zarten stimmlichen Klangfarben geformt. Sie verkörpert das Opfer der religiös-politischen Auseinandersetzung stimmlich in überzeugender und bewegender Form. Auch Hauzer wird den speziellen stimmlichen Anforderungen in einem Maße gerecht, als gehöre die Meyerbeersche Opernästhetik zu ihrem täglichen Brot – eine eindrucksvolle Leistung.

Tomohiro Takada bleibt der Partie des Grafen von Nevers nichts schuldig. Mit schneidiger Geste und sonorer Stimmkraft überzeugt er in der Rolle des zugleich zweifelnden Katholiken, der sich dem feigen Morden seiner Glaubensbrüder entziehen will und dadurch selbst zu Tode kommt.  Auch die Erkenntnis, dass er mit Valentine eine Frau vom Vater zugesprochen bekommt, die einen anderen tief und innig liebt, weiß Takada sensibel zur Darstellung zu bringen.

Das Ensemble des Theaters Kiel ist auch in allen anderen Rollen mehr als angemessen besetzt. Eine Leistung, die angesichts der Vielfalt der Charaktere nicht leicht zu erfüllen ist. Stellvertretend dafür seien hier Jörg Sabrowski als Graf von Saint-Bris, der Vater Valentines, Michael Müller als De Tavannes, Fred Hoffmann als De Cosse, João Terleira als De Thore, Mathias Tönges las De Retz und Matteo Maraia Ferretti als De Meru genannt. Aufhorchen lässt Karola Sophia Schmid mit einem quicklebendigen, schön geführten und durchsetzungsstarken Sopran.

Chor und Extrachor des Theaters Kiel mit seinen großen Aufgaben stehen unter der souveränen Leitung von Lam Tranh Dinh. Das Philharmonische Orchester Kiel mit Daniel Carlberg am Pult weiß die ganze Brandbreite der epischen musikalischen Entwicklung von feinster Begleitung verletzlicher Stimmen bis zum aufbrausenden Orchestertutti in den sich steigernden und aufwühlenden Chorszenen beim Gemetzel der Bartholomäus-Nacht grandios auszufüllen.

http://www.opernnetz.de - Achim Dombrowski

Meyerbeers »Les Huguenots« in Kiel - ein großer Opernabend (29.09.2016)

Vieles ist in dieser selten mehr aufgeführten Oper musikalisch und szenisch äußerst reizvoll. Auf jeden Fall aber machte die Inszenierung deutlich, dass sie durchaus in unsere Zeit passt, nicht nur mit dem thematisch immer gültigen Bezug.

Unser Lübeck - Arndt Voss