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August Strindberg

Fräulein Julie

Für Fräulein Julie ist alles möglich: sie kommt aus adligem Hause, muss sich keine Sorgen um Geld und Karriere machen, hat eine Heerschar an Dienern, die ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen und langweilt sich in ihrem sorglosen Leben zu Tode. Als die schwedische Mittsommernacht naht, juckt es Julie unter den Fingernägeln, ihre Machtsituation und ihre damit verbundene gesellschaftliche Rolle kurzzeitig auszuhebeln. Sie tanzt mit den Angestellten und reizt einen Flirt mit dem älteren Diener Jean zu einer mittsommernächtlichen Affäre aus. Das einfache Volk erscheint ihr so viel freier, ungebundener und schlauer, als sie es in ihrem High Society-Kosmos je sein könnte. In ihrer Projektion wird Jean zum Innbegriff des aufregenden und wahren Lebens, das sie sich so sehr ersehnt. Gleichzeitig erliegt Jean der Vision, dass über eine Affäre mit Julie sein gesellschaftlicher Aufstieg gelingen könnte. Das Machtverhältnis zwischen den Beiden definiert sich ständig neu – längst ist nicht mehr zu durchschauen, wer mit wem spielt und welchen Ausweg es aus der brenzligen Lage gibt.

August Strindbergs intensives und hochemotionales Kammerspiel zeigt die ganze Skala des menschlichen Miteinanders in einer Nacht – pur, unberechenbar bösartig und verführerisch zugleich. 1889 in Kopenhagen uraufgeführt, war das Stück jahrelang von der Zensur verboten und konnte nur in geschlossenen Kreisen gespielt werden. Heute ist es eines seiner meistgespielten Stücke und das messerscharfes Psychogramm einer gnadenlosen Beziehung. 

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Fräulein Julie

ab dem 27. Mai 2016 im Schauspielhaus