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Imke Wilden
Bernd Wilden

Marina, die kleine Meerjungfrau

Ein Projekt der Akademien am Theater Kiel - für (Meer-)Menschen ab ca. 8 Jahren - unterstützt durch die Kunststiftung der HSH Nordbank - Uraufführung -, ca. 1 Stunde 45 Minuten

»Marina, die kleine Meerjungfrau« ist in Kiel angekommen und feiert am 18. Juni 2017 große Premiere im Schauspielhaus Kiel.

Der junge Jan wird 18 Jahre - und soll groß ins finanzkräftige Familienunternehmen einsteigen. Doch dazu hat er eigentlich gar keine Lust. Er sehnt sich nach etwas anderem -bedeutungsvollerem als Geld. Besonders seine materialistischen Freunde gehen ihm ziemlich auf den Wecker. Als sich Jan in seiner Einsamkeit zu nah an eine Felsklippe wagt, passiert es: er rutscht ab!
Die junge Meerjungfrau Marina wird 15 Jahre - und darf zum ersten Mal an die Wasseroberfläche schwimmen. Gerade rechtzeitig, um Jan vor dem Ertrinken zu retten! Dabei verliebt sie sich unsterblich in ihn. Um Jan nahe zu sein, wagt Marina alles: sie geht zur Meerhexe Nephtysa, um ein Mensch zu werden. Dafür opfert sie sogar ihre wunderschöne Stimme...
Ob Jan und Marina zueinander finden werden?

Die Auftragsarbeit ist angelehnt an das berühmte Märchen »Die kleine Meerjungfrau« von Hans Christian Andersen. Es ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Projekt: Die Produktion wird von den jungen Mitgliedern der Akademien am Theater Kiel e.V. zur Premiere gebracht und von der Kunststiftung HSH Nordbank unterstützt. Für die insgesamt sechs Vorstellungen konnten der Komponist Bernd Wilden und seine Frau, die Librettistin Imke Wilden, gewonnen werden.

 

 

Pressestimmen

Wie der Stern einer Liebe verglüht (19.06.2017)

Imke und Bernd Wilden konzentrierten sich auf den Gegensatz der fantastischen Welt unter Wasser zum realen, materialistisch orientieren Leben an Land. Marina, ihre Hauptfigur, scheitert nicht an rätselhaften Bestimmungen und zauberischen Kräften, sondern eher an den Abweisungen durch die Gesellschaft an Land. Sie, die Andere, die Außenseiterin, wird nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Sie darf den Menschenjungen Jan, der – anders als Andersens Prinz – ihre Zuneigung teilt, nicht lieben. »Du bist mein strahlender Stern«, wird sie am Ende besungen. Aber da ist sie schon wieder in der Ferne, gleichsam verglüht.

Auf diese Weise rückt die Geschichte aus märchenhafter Ferne näher an aktuelle Wirklichkeiten und dürfte so dem Zielpublikum aus der jungen Generation fassbarer erscheinen. Und so werden auf der Bühne eindrucksvoll realisierte Kontraste geschaffen: Stefanie Klie bietet dazu einen geschickt gestaffelten Raum an, der die Übergänge vom Meeresgrund zur Erdoberfläche leicht nachvollziehbar macht. Sabine Keils einfallsreiche Kostüme setzen dem kalt grauen Kleidungsstil zu Land farbenprächtige, von Flora und Fauna inspirierte Gewänder der Unterwasser-Wesen entgegen. Und Regisseurin Nele Tippelmann kostet alle diese Möglichkeiten aus, um leuchtende Bilder, temporeiche Aktionen, aber auch intime, anrührende Momente auf die Szenerie zu zaubern.

So bietet diese Produktion vielfache Gelegenheiten, im markanten Spiel kraftvolle Talente zu entfalten. Dominiert wird die Aufführung durch Bernd Wildens von unterschiedlichen Stilen beeinflusste und doch eigenständige Magie atmende Musik: große, weit schwingende symphonische Klänge, eingängige Melodien, wechselnd und kontrastierend mit energiegeladenen, harten und zündenden Rhythmen. Wildens Kompositionen sind ideal geeignet, die jungen Instrumentalisten der Orchesterakademie unter der souveränen, hellwachen Leitung von Moritz Caffier auf professionelles Niveau zu führen. Gleichermaßen überzeugend agiert Caffiers Kinder- und Jugendchor. Und da die Dramaturgie großen Tableaus Raum gibt, kann auch Victoria Lane Greens Ballettakademie den hohen Standard ihres Könnens zeigen – von der liebevoll arrangierten Gruppenchoreografie bis zum imponierend vorgeführten Solotanz (Hannah Faust und Moritz von Villebois).

Einen verdient reichen Anteil am anerkennenden Applaus sichern sich die Solisten, die ihre Aufgaben in Spiel und Gesang tadellos meistern: Anna Fechner als Marina, Hannah Laackmann als Jan und Martha Schmalz als Jans Freundin sowie Pauline Kringel, Hannah Ortlepp und Hanna Liza Conrad als Marinas Schwestern. Bis hinein in die kleinste Rolle erscheint die gesamte Aufführung getragen von der temperamentvollen Spielfreude aller Akteure. Mehr noch: In jedem Moment sind bedingungslose Hingabe und ernsthafte Leidenschaft für die künstlerischen Herausforderungen zu spüren.

hansen & munk - Christoph Munk

Theater Kiel: Marina, die kleine Meerjungfrau (19.06.2017)

Ein Kunstmärchen von H. C. Andersen modern erzählt: Der junge Jan will nicht ins Familienunternehmen, die Meerjungfrau Marina endlich an Land. Nur so einfach machen es die Menschen den Fremden nicht.

[Zum Anhören des Beitrags bitte Link klicken.]

NDR 1 Welle Nord - Frank Hajasch

Kapitalismus gegen Koralle (19.06.2017)

Unter dem Titel Marina zauberten die Akademien am Theater Kiel diesen Stoff auf die Bühne des Schauspielhauses und feierten damit eine zurecht mit stehenden Ovationen bedachte Premiere.

So ist es schon formal ein Genuss, dem bunten Treiben unter Wasser zuzuschauen, das Stefani Klie (Bühne) und Sabine Keil (Kostüme) ganz im Sinne Andersens mit bescheidenen Mitteln aber umso mehr Phantasie und Witz in Szene setzen. Beispiel: Der in wohl jedem Kinderzimmer dieser Welt beheimatete grüne Ikea-Spieltunnel »Busa« fungiert hier als Stengel farbenfroher Unterwassergewächse. Das ist nicht nur lustig, sondern auch wirkungsvoll. Denn der Kontrast zu Welt »da oben«, die in kaltes Licht getaucht und mit Schattenrissen arbeitend, hart und grau wirkt, ist frappant. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendchor bilden die Orchesterakademie und der Ballettakademie die Akademien am Theater Kiel. Alle drei Education-Programme gibt es schon einige Zeit, aber zum ersten Mal traten die Akademien an diesem Abend gemeinsam auf. Mit vollem Erfolg.

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Der wunderbare Abend gründet auf dem Fundament der Musik von Bernd Wilden. Der Bielefelder Komponist, der schon manches Mal für das Theater Kiel komponierte, schuf eine fantastische Theatermusik, die mühelos zwischen schillerndem Broadway-Glanz, illustrativen, sinfonisch geprägten  Breitwand-Klängen, zärtlicher Kammermusik und hippen Rap- und Funkjazz Zitaten changiert. 

Kieler Nachrichten - Thomas Richter