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Pierre-Louis Moline nach Raniero de Calzabigi
Christoph Willibald Gluck

Orpheus und Eurydike

- in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln -

Eben noch wollten sie heiraten, da beklagt der Sänger Orpheus den überraschenden Tod seiner Geliebten Eurydike. Orpheus wagt den unglaublichen Versuch, die verlorene Verlobte aus dem Totenreich zurückzuholen. Durch seinen übermenschlich schönen Gesang erweicht er sogar die wütenden Unterweltgeister. Doch wird es ihm auch gelingen, auf dem Weg zurück ins Leben dem Gebot der Götter standzuhalten und sich nicht nach seiner Geliebten umzudrehen?

Der Mythos des Musiktheaters: Mit Orpheus‘ Klage um die tote Geliebte fing um das Jahr 1600 alles an mit der Oper, eineinhalb Jahrhunderte später verpasste der Oberpfälzer Komponist Christoph Willibald Gluck  diesem Ursprungsmythos eine rasante Frischzellenkur. Wie der Held seines Stückes ging auch Gluck 1762 ganz neue Wege, um die Oper von störendem Ballast zu befreien, getreu Rousseaus Motto der Zeit: »Zurück zur Natur!«  Mit der Wucht einer archaischen Tragödie erzählt er eine der größten Liebesgeschichten der Menschheit. 1774 überarbeitete er seinen Orpheus auf Einladung von Marie Antoinette für Paris – in Kiel wird diese französische Fassung erklingen, jedoch mit Mezzosopran in der Hauptrolle. Die amerikanische Ausnahmechoreografin Lucinda Childs kommt für Orpheus und Eurydike nach ihrer international gefeierten Produktion von Lullys Atys zum zweiten Mal nach Kiel.


Premiere am 7. Mai 2016


Hinweis: In dieser Produktion wird in der Furien-Szene des zweiten Aktes Stroboskop-Licht eingesetzt.

Vorstellungsdauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten

Pressestimmen

Gluck in einer zeitgemäßen Variante des Mythos von Orpheus und Eurydike: Eine Inszenierung an der Oper in Kiel (10.05.2016)

Die amerikanische Tänzerin und bedeutsame Choreografin Lucinda Childs hatte in Kiel schon einmal bewiesen, dass sie ein Werk wie Jean-Baptiste Lullys Atys, immerhin 350 Jahre alt, aufregend inszenieren kann. Jetzt wiederholte sie ihren Erfolg mit dem nur 100 Jahre jüngeren Musikdrama, indem sie die Handlung konsequent in unsere Welt versetzte, an den Ort, an dem heute zumeist der Weg ins Jenseits oder die Unterwelt angetreten wird. Eurydike stirbt in einem Krankenhausbett. Und Orpheus fällt in einen ohnmächtigen Schmerz, aus dem ihn Amor traumhaft entführt. Und dieser Hoffnungspender, göttlich zwar, aber Zeus untergeordnet, mutiert bei Lucinda Childs in eine Ärztin. Sie ist damit Vertreterin einer Zunft, die vortäuscht, mit Wissen und Technik den Tod überlisten zu können. Das aber gaukelt ein Happy End vor, führt Orpheus sehnsuchtsvoll in das Totenreich, lässt ihn Eurydike gewinnen und doch wieder verlieren. Ihre Beziehung zerbricht an der Strenge der göttlichen Bedingung, sich nicht ansehen zu dürfen. Doch noch einmal stärkt Amor die Illusion, bis überraschend, doch plausibel die Inszenierung damit endet, dass die Trugwelt versinkt und den verstörten Orpheus vor Eurydikes Kranken- und Totenbett zurücklässt. Das Herbe des alten Mythos‘ wurde bewahrt.

unser-luebeck.de - Arndt Voß

Die Hoffnung stirbt zuletzt (09.05.2016)

Fast ein Paradox: In ihrer allemal hochästhetischen, wohlgeordneten und kontrastreich alles erhellenden Inszenierung schafft die Regie zugleich sehr viel Raum für die intensive Wahrnehmung von Glucks ewig frischer, enorm vielgestaltiger Musik. Der in Kiel als Spezialist für Opern des 17. und 18. Jahrhunderts ausgesprochen gern gesehene Gastdirigent Rubén Dubrovsky nutzt diese Freiräume famos: Unter seiner Leitung knistert und rast, seufzt und betört die Reformoper, dass es eine Freude ist. Die Philharmoniker tönen im hochgefahrenen Orchestergraben reich gestaffelt. Es gibt mit der szenisch integrierten Bühnenmusik reizvolle Echoeffekte. Und auch der Chor, einstudiert von Lam Tran Dinh, fügt sich trotz kleiner Einsatzwackler sehr geschmeidig und ausdrucksstark zwischen Trauerton, Höllenfeuer und arkadischem Jubel in ein Hörbild, das optisch durch die schwarz-weißen Gegensätze im Oben und Unten von Realität und Totenreich unterstrichen wird.
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Tatia Jibladze begeistert mit warm strömenden Tönen und gekonnter Jünglingsattitüde. Ein, zwei zu matte Stellen in Premierenüberspannung werden durch viel flehentliche Intensität oder die mitreißend beschleunigt herzklopfenden Selbstvorwürfe (Arie: »Ach, ich habe sie verloren!«) bei weitem aufgewogen. Entsprechend riesig fällt der Premierenjubel für die junge Sängerin aus. Auch Heike Wittlieb trägt als Eurydike spürbar das Herz auf den Stimmlippen. Ihr Spektrum an kleinen vokalen Nuancen ist enorm.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk