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Francesco Maria Piave
Giuseppe Verdi

Rigoletto

- in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln -, ca. 2 Stunden und 30 Minuten, inklusive einer Pause
Spielstätte: Opernhaus
Di 13.12. 19:30 Besetzung Karten
So 08.01. 16:00 Karten
Fr 13.01. 19:30 Karten
Do 02.02. 19:30 Karten
So 12.03. 19:00 Karten
Fr 21.04. 19:30 Karten
So 21.05. 18:30 Karten
Mi 21.06. 19:30 Karten

Rigoletto lebt zwei Leben: das Privat- und das Berufsleben. Als Hofnarr treibt er seinen »Chef«, den Herzog von Mantua, zu immer rücksichtsloserem Verhalten. Als Privatmann lebt er für seine Tochter Gilda, die er in überbesorgter Angst einsperrt wie eine Gefangene. Am Hof weiß niemand von der Existenz Gildas und sie weiß nichts von dem Leben ihres Vaters außerhalb der eigenen vier Wände. Rigolettos Angst vor einer Berührung beider Welten ist nicht unberechtigt, denn der Herzog hat nur Frauen im Kopf und ist in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. Den Grafen Monterone lässt er kurzerhand verhaften, um dessen Tochter zu verführen. Monterones  verzweifelter Fluch geht Rigoletto durch Mark und Bein und seine düsteren Vorahnungen sollen sich bestätigen …    

Rigoletto vervollständigt auf der Kieler Opernbühne nach La Traviata (2012) und Der Troubadour (2013) das Dreigespann von Opern, das Verdis Weltruhm als Opernkomponist begründete.  

 

Premiere 9. Oktober 2016

Spieldauer: 2 1/2 Stunden inkl. einer Pause

 

Audio

Rigoletto

Ab dem 9. Oktober im Opernhaus Kiel

Pressestimmen

Wortgedonner im Wespennest (11.10.2016)

Der international aufstrebende norditalienische Opernregisseur Fabio Ceresa hat bei seinem Deutschland-Debüt die Mechanismen, die den zynischen Hofnarren ins eigene Fleisch schneiden lassen, besonders in der differenzierteren zweiten Hälfte seiner Kieler Neuinszenierung anschaulich deutlich gemacht. In einer riesigen, aufklappbaren Kiste des abstraktionswilligen Bühnenbildners Domenico Franchi platzen die Hofschranzen fasst aus ihren üppigen Kostümen und Masken. Giuseppe Palella hat sie der Entstehungszeit von Roman-Vorlage und venezianischer Uraufführung entlehnt. Hier begegnet uns in nüchternem Rahmen ein schwarz-roter Tanz der Vampire, dämonischer Tummelplatz der Schleimer und Verräter, Gerüchteküche und – ewig virulentes Fluch-Labor. Jeder könnte das nächste Opfer sein. 

Mit mächtigem Wortgedonner sticht Rigoletto in dieses Wespennest. Der erst 30-jährige mongolische Bariton Amartuvshin Enkhbat begeistert dabei mit einer Stimmgewalt, die zunehmend menschliche Wärme aufnimmt. Sie strömt wunderbar vollmundig legatodicht. Und sie kippt schließlich beeindruckend in Angst- und Klagelaute. Dass die Bühnenfigur statisch bleibt, wird so gar nicht zum Problem: Das Publikum ist aus dem Häuschen.

Seine Tochter Gilda bewahrt der Riese Rigoletto in einem Schutzraum auf. Liebesrotleuchtende Tarnnetze schirmen sie vom Begehren der Außenwelt ab. Doch Hye Jung Lee verkörpert die jugendliche Expansionskraft der Überbehüteten, schießt ihre Koloraturen wie Notsignale in den freien Raum. Der koreanischen Sopranistin steht dafür ein perfekt sitzendes Stimmorgan zur Verfügung, das im Glitzern der Tonketten auch viele Emotionsstufen hörbar macht – bis zum bitteren, aber sanft ins Verklärte gewendeten Schluss grenzenloser Hingabe.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

In Kiel zu bewundern: Ein »Rigoletto« der großen Gefühle (14.10.2016)

Das ist großes Gefühlstheater, das sich Kiel mit dem italienischen Team ins Haus geholt hat. Es konnte ihrem Nationalkomponisten einen bestechenden Hintergrund für seine Melodienseligkeit gestalten, für seinen schmelzenden Wohllaut und die aufklingenden dramatischen Gefühle. Schon zu Beginn wird das deutlich in den glanzvollen Chorpartien. ... Die Herren dagegen, einstudiert von Lam Tran Dinh, zeigten sich von ihrer besten Seite, geschickt agierend und singend in der plausiblen Choreografie Mattia Agatiellos, des vierten Italieners im Team.

Das Akustische war dem Optischen äquivalent. Mit Amartuvshin Enkhbat in der Titelpartie gastierte ein junger Sänger von großer Stimmkraft und mit wandlungsfähigem Timbre. Intensiv machte er die zerrissene Bühnenfigur lebendig, überheblich als Hofnarr, angsterfüllt als Verfluchter, bösartig und zugleich verletzt durch den Spott der Hofgesellschaft. Ein sorgenvoller, rührend unbeholfener Vater ist er, maßlos aber, wenn er zum Mord anstiftet. Wunderbar, wie Hye Jung Lee als Gilda da mithält, die Wirkung der Vaterrolle sogar steigert. Sensibel zeichnete sie den jugendlichen Charme dieser Figur, gab ihren Koloraturen Wärme und seelische Tiefe. Die Duette zwischen ihr und dem Vater, Momente großer Innigkeit, gehörten zum Eindrucksvollsten dieser Inszenierung.

Unser Lübeck - Arndt Voß

»Rigoletto« in Kiel - stark und berührend (10.10.2016)

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Der Italiener Fabio Ceresa präsentiert nun seine erste Inszenierung in Deutschland. Der im Frühjahr in London mit dem International Opera Ward 2016 Ausgezeichnete (»Bester Nachwuchsregisseur«) setzt auf schlichte, aber sehr wirkungsvolle Bilder - und zeigt auffallend viel Mitgefühl mit den Frauen! Rigoletto will um jeden Preis seine minderjährige Tochter Gilda vor der bösen, skrupellosen Hofgesellschaft Mantuas schützen. Doch die obsessive Art, in der es das tut, stellt ihn - laut Ceresa - auf eine Stufe mit seinem verhassten Arbeitgeber: Der berüchtigte Weiberheld, der mächtige Herzog von Mantua, verfügt über Frauen wie über Besitz, und Rigoletto tut das auf seine Weise. Das Weibliche ist Objekt, Projektionsfläche, im Palast wie in der Hütte.

Fabio Ceresa wählt als Symbol für dieses Besitzdenken große Schatztruhen. Eine davon schleppt Rigoletto immer mit sich herum. In einer solchen Schatztruhe entführen die Höflinge seine Tochter Gilda, später wird sie tödlich verletzt in eine solche Schatztruhe zum Sterben gelegt.

Bewegende Darstellung

Das sind starke Bilder, die sehr berühren, auch, wenn sich einzelne Hofdamen plötzlich still mit Gilda zu identifizieren scheinen. Sie zeigen Mitleid. Ansätze von Frauensolidarität in einer männerdominierten Welt. Fabio Ceresa lässt Rigoletto nicht mit seinem Lamento durchkommen, die Welt sei ihm so viel schuldig, sie allein habe ihn zu dem gemacht, was er sei. Er selbst ist schuldig, er selbst gibt den Mord in Auftrag, dem seine Tochter zum Opfer fällt.

Die koreanische Sopranistin Hye Jung Lee, seit vergangener Spielzeit Mitglied im Ensemble der Oper Kiel, begeisterte das Premierenpublikum mit ihrer authentischen, glaubwürdigen Art der Darstellung und ihrer herausragenden Stimme. Nach dem anrührenden Schlussduett mit ihrem Vater, dem mongolischen Bariton Amartuvshin Enkhbat, der gestern in Kiel debütierte, kannte das Publikum kein Halten mehr: einhelliger Jubel für die beiden, aber auch für das Ensemble, den Chor und das Orchester der Oper Kiel unter Leitung des Generalmusikdirektors Georg Fritzsch.

NDR.de - Sabine Lange