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Monsieur d'Albaret
Jean-Marie Leclair

Skylla und Glaukos

- in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln -
Spielstätte: Opernhaus
Sa 27.05. 19:30 Besetzung Karten
Do 01.06. 19:30 Karten
Sa 10.06. 19:30 Karten
Do 15.06. 19:30 Karten
So 18.06. 18:00 Karten

Vor der Liebe ist niemand sicher, vor ihren Konsequenzen auch nicht: Maßlose Eifersucht quält die Zauberin Circe, denn der von ihr auserwählte Meeresgott Glaukos liebt nicht sie, sondern die Nymphe Skylla, die ihn wiederum verschmäht. Noch dazu erfleht Glaukos nichtsahnend Circes Zauberkräfte, um Skylla für sich zu gewinnen. In tiefster Verletzung nutzt Circe ihre Mächte, um die Rivalin auszuschalten…

Die dritte Kieler Zusammenarbeit von Tanzlegende Lucinda Childs und dem griechischen Bühnenkünstler Paris Mexis, die bereits Lullys Atys und Glucks Orpheus und Eurydike an die Förde gebracht haben, erweckt ein völlig zu Unrecht vergessenes Meisterwerk des 18. Jahrhunderts zu neuem Leben. Die 1746 uraufgeführte einzige Oper des gefeierten Violinvirtuosen Jean-Marie Leclair verbindet auf faszinierende Weise französische und italienische Elemente zu einer musikalisch einmaligen Stilistik.


Premiere 6. Mai 2017

In Kooperation mit dem Centre de Musique Baroque de Versailles (CMBV) http://www.cmbv.fr/

Kurzeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im 2. Foyer

Audio

Skylla und Glaukos

ab dem 6. Mai 2017 im Opernhaus Kiel

Pressestimmen

Meeresmärchen mit barocken Tanzeinlagen (08.05.2017)

Aller guten Dinge sind drei. Das hat man sich wohl in Kiel gesagt und erneut die bedeutende zeitgenössische Choreographin Lucinda Childs, die im Juni dieses Jahres für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen der Tanz-Biennale in Venedig ausgezeichnet wird, und den griechischen Ausstatter Paris Mexis für die Inszenierung einer Oper verpflichtet, die erneut eine mythologische Episode zum Thema hat und bei der der Tanz eine große Rolle spielt.
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Childs und Mexis behalten den märchenhaften Charakter der Geschichte bei und lassen die Oper in einer fantastischen Unterwasserwelt spielen. Als Vorhang fungiert ein schwarzer Prospekt, auf dem zahlreiche Wesen der Meeresfauna abgebildet sind, die im Bühnenbild und den Kostümen der Figuren wieder aufgenommen werden.
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Unterstützt wird die farbliche Gestaltung auch durch das beeindruckende Lichtdesign von George Tellos, der bereits bei Atys und Orpheus und Eurydike mit Childs und Mexis zusammengearbeitet hat. Wenn Circe im vierten Akt die Hexengöttin Hekate aus der Unterwelt herbeiruft, wird eine absolut düstere und unheimliche Atmosphäre erzeugt.
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Musikalisch hat der Abend einiges zu bieten. Während der Melodienreichtum in der Ouvertüre die italienischen Einflüsse deutlich hervortreten lässt, folgt die restliche Oper strukturell eher der französischen Tragédie, ... Die Partie des Meeresgottes Glaukos ist für einen Haute-Contre, einen sehr hohen Tenor, konzipiert, der, anders als heutzutage ein Countertenor, sowohl die Kopf- als auch die Bruststimme einsetzt, ohne dabei ins Falsett zu wechseln. In Kiel hat man für diese Partie als Gast den dänischen Tenor Valdemar Villadsen gewinnen können. Sein geschmeidiger Tenor klingt in den Höhen sehr weich, was der Figur eine große Zärtlichkeit verleiht. ... Mercedes Arcuri stattet die Nymphe Skylla mit leuchtendem Sopran und großer Dramatik aus. ... Die faszinierendste Partie kommt musikalisch und szenisch der Zauberin Circe zu, die von Tatia Jibladze mit sattem Mezzo und intensivem Spiel interpretiert wird. ...
FAZIT: Jean-Marie Leclairs einzige Oper ist absolut hörenswert und vor allem in der großartigen Inszenierung von Lucinda Childs sehenswert. Diese Rarität sollte man sich in Kiel nicht entgehen lassen.

Online Musik Magazin - Thomas Molke

Das ewige Elend der Liebe im Glanz des Barock (08.05.2017)

Es ist das ewige Elend: Zwei Frauen verlieben sich in denselben Mann. Das geht selten gut aus. Auch nicht in der Mythologie des antiken Griechenland. Von dort nämlich holte sich der französische Barockkomponist Jean-Marie Leclair den Stoff für »Skylla und Glaukos«, seine »Tragédie en musique« in einem Prolog und fünf Akten. Darin präsentiert sich die tragische Dreiecksgeschichte von Liebe und Leiden, Eifersucht und Verrat in musikalisch edler Gestalt – im Kieler Opernhaus durch den Gastdirigenten Václav Luks glänzend poliert und szenisch einfallsreich ausgeschmückt durch die Regisseurin und Choreografin Lucinda Childs, zusammen mit ihrem Ausstatter Paris Mexis.
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Die Kieler Oper darf sich des Verdienstes rühmen, einen verborgenen Schatz fürs Repertoire gewonnen zu haben. Sie setzt die seit etlichen Jahren gepflegte Tradition der Barockopern an diesem Hause fort und befriedigt dank einer souveränen und lebendigen musikalischen Ausführung und einer szenisch fantasievollen Aufführung allgemeines Interesse, wie der herzliche Premierenapplaus bestätigte. Den Spezialisten des Genres bietet sie ein edles, veritables Fundstück.

hansen & munk - Christoph Munk

Tieftauchen im Repertoire (08.05.2017)

Im Kieler Opernhaus lassen die Philharmoniker die Tonketten-Gischt rasant aufschäumen. Im eleganten Fluss der Partitur kann der tschechische Alte-Musik-Spezialist Luks auf einfühlsame Sängerleistungen bauen. Die argentinische Sopranistin Mercedes Arcuri gestaltet die liebesängstlichen, dann liebeserfüllten Pastoraltöne der Nymphe Skylla mit viel Sinn für warme Farbwerte, Resonanz und Sprachmodulation. Die extrem lyrische, ... an vielen Stellen hinreißend sanft säuselnde Tenor- und »Haute-Contre«-Stimme des Dänen Valdemar Villadsen passt als Glaukos bestens zu ihr.

Den herben Widerpart zu beiden bietet die von Eifersucht angefressene und deshalb gefährlich rachsüchtige Zauberin Circe. Die georgische Mezzosopranistin Tatia Jibladze fesselt mit einer reichen Palette von bitterbösen Schattierungen.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Überirdisches unter Wasser (08.05.2017)

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Das Orchester unter Leitung des tschechischen Cembalisten Václav Luks ist mit Chitarrone, Gambe und anderen alten Instrumenten zeitgemäß bestückt und stilistisch topfit. In vielen reinen Instrumentalteilen beweist es Temperament und Spielfreude, gestaltet farbig Affektwechsel, groovt munter durch die Tänze und brilliert im rasanten Fugen-Gewirr.
Tolle Musik irgendwo zwischen Lully und Corelli - über ihr Vergessensein kann man nur rätseln. ... Auch der Chor brilliert in zahlreichen Passagen, durch die die Oper zeitweise wie ein Oratorium wirkt.
Im bestens aufgelegten Solistenensemble fasziniert vor allem Tatia Jibladze , die ihrem Mezzosopran finstere Tiefen entlockt, sich gleichwohl zu wutentbrannt schneidenden Höhen aufschwingen kann und ihr Figur vielschichtig zwischen Liebe, Trauer und Rachsucht anlegt.
Ihr Gegenpol ist Valdemar Villadsen als ganz in Blau gehaltener Glaukos mit Glatze und Rauschebart - ein aufrichtig liebender, bisweilen etwas verwirrter Wassergeist mit faszinierend fragil zwischen Tenor und Countertenor changierendem Gesang. Und natürlich Mercedes Arcuri mit berückendem Sopran-Melos als Skylla, die nicht lieben mag, weil sie Verletzung fürchtet.
Fazit: Die Kieler Oper bietet mit »Skylla und Glaukos« überirdische Schönheit aus den Tiefen des Meeres.

SHZ - Christoph Kalies

Opernhaus Kiel: Skylla und Glaukos (04.05.2017)

Auch Götter und Nymphen kennen Liebe und Eifersucht. Es erwartet Sie ein tiefes Eintauchen in die griechisch-römische Mythologie - eine Inszenierung, auf die Sie sich freuen dürfen!

NDR Welle Nord - Frank Hajasch

Ein Flossenwesen unter Starkstrom (09.05.2017)

...fesselnd sind die musikalischen Kontraste der Oper: eine lebendige französische Ouvertüre, feine Tanzsmusiken, mächtige Chorszenen, eindringliche »symphonies«, effektvolle Sturmmusiken..., eine brillante Faktur des Streichersatzes und ein ungewöhnlicher Reichtum der Gesangspartien, die Leclair im Sinne einer »réunion des goûts«, einer Vereinigung der Stile, mit virtuosen Elementen der italienischen Musik anreicherte. Gerade in der kolossalen Partie der Circe verbindet Leclair dramatische Deklamation mit affektaufgeladenen Koloratur-Éclats. Wer die Phantasie hat, eine Sängerin in einer Partie zu hören, die sie nie gesungen hat, mag in der Partie der Circe eine Callas-Partie erahnen.
Eine solche Imagination konnte die georgische Mezzosopranistin Tatia Jibladze zumindest heraufbeschwören, gerade wenn sie sich in der fesselnd-schaurigen »Invocation« der liebeswahnsinnigen Rächerin an die »Noires divinités« wendet.  Die beiden Titelfiguren sind anmutig gezeichnet. Für die Partie der Skylla brachte die argentinische Sopranistin Mercedes Arcuri eine anmutige Erscheinung und einen aparten... lyrischen Sopran mit. Die Partie des Glaukos hat Leclair für Pierre Jélyotte geschrieben, einen sogenannten »haut-contre« mit einem ätherisch hellen Stimmklang... Der Technisch-stilistisch sehr versierte dänische Tenor Valdemar Villadsen ... steigerte sich aber, gerade in der Verzweiflungsszene des Finales, auf eindringliche Weise. Der tschechische Dirigent Václav Luks setzte die Musiker des Philharmonischen Orchesters unter Starkstrom, gerade bei den vielen dramatischen Affektwechseln.
Bereits bei der Uraufführung 1746 wurde »Skylla und Glaukos« als Anachronismus empfunden... Der regieführenden Choreographin Lucinda Childs und dem Ausstatter Paris Mexis ist es gelungen, die zeremonielle Künstlichkeit preziöser höfischer Kunst vorzuführen wie ein zauberisches Andenken hinter Glas. Die phantasievoll kostümierten Figuren - Glaukos, der »Blauglänzende«, erscheint als weißbärtiges, blau kostümiertes und bemaltes Flossenwesen - bewegen sich in einer mythisch-phantastischen Szene mit stilisierten Bäumen, dunklen Grüften und maritimen Formen oder Chiffren. Auf spielerische und unterhaltsam verspielte Weise wird deutlich, dass sich in dieser Geschichte einer Liebe und der finalen Verwandlung eine Erzählung über menschliche Hybris verbrirgt. Das Publikum dankte mit jenem eher stillen Beifall, dessen sich Künstler am stärksten freuen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Jürgen Kesting

Oper »Skylla und Glaukos« in Kiel (08.05.2017)

Völlig zu Unrecht vergessen! Ein exzellenter Plot, aus dem man was lernen kann, und hervorragende Musik, die mit jeder bekannteren anderen französischen Barockoper mithalten kann!

Deutschlandfunk - Elisabeth Richter