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Alan Jay Lerner
Frederick Loewe

My Fair Lady

- in deutscher Sprache -
Spielstätte: Opernhaus
So 26.06. 19:00 Besetzung Karten

»Nur een Zimmerchen irgendwo, mit nem Sofa drin sowieso, und Gasbeleuchtung! Oh, wäre det nich wundascheen?« Eliza Doolittle träumt bescheiden. Auf dem Covent Garden Square verkauft sie wie immer Blumen, als sich ihr die Chance bietet, diese Träume zu erfüllen: Der schrullige Phonetikprofessor Henry Higgins wettet mit seiner Zufallsbekanntschaft Oberst Pickering, aus Eliza durch Sprach- und Benimmunterricht eine große Lady machen zu können. Eliza nutzt die Gelegenheit und geht mutig auf Higgins‘ Angebot ein, ohne zu wissen, dass sich ihr ganzes Leben dadurch ändern wird…

Genau so viel Mut wie ihre Heldin Eliza bewiesen Alan Jay Lerner und Frederick Loewe 1956, als sie aus George Bernard Shaws erfolgreicher »Romanze in 5 Akten« Pygmalion ein Musical machten. Doch diese Courage zahlte sich aus – My fair lady wurde zu dem  Musical überhaupt und stellt auch 60 Jahre nach seiner Uraufführung am Broadway noch überraschende Fragen an die Bedeutung von Bildung und Verhalten für unser Fortkommen und das Verhältnis von intellektueller und emotionaler Intelligenz für unser Zusammenleben – verpackt in einer immer noch bezaubernd ehrlichen Variante des Aschenputtel-Motivs.


Premiere am 7. November 2015

Vorstellungsdauer: ca. 2 Stunden und 45 Minuten, eine Pause

Audio

My Fair Lady

Pressestimmen

Mit viel Pfeffer im Anzug (09.11.2015)

...Die Regisseurin Ricarda Regina Ludigkeit ... setzt mit leichter Hand die Theatermaschinerie in Schwung. Auf der rotierenden Drehbühne genügen dafür ein von Hans Kudlich gebautes Treppengerüst, eine Kneipentür, eine Sehnsuchtslaterne, ein bisschen Saloninventar und ein paar projezierte Nachkriegspolaroids aus London. Gabriele Heimann und Silja Oestmann sorgen für das zugehörige Kostümfest – Hut ab für die entsprechende Parade in Ascot!

Ludigkeit choreografiert die Massen von Haupt- und (durchweg amüsant besetzten) Nebenfiguren so geschickt, dass es die pure Freude ist. Wenn dann noch eine genretaugliche Rampensau wie Rudi Reschke den Alltagsphilosophen Alfred, Elizas tresenfreudigen Vater, derart perfekt wirbeln, tanzen und singen lässt, kann weiterer Pfeffer getrost im Streuer bleiben – den haben längst alle im Anzug. Lesia Mackowycz versieht die Eliza mit aufstampfender Leidenschaftlichkeit ... Und sie wagt auch die leisen Töne. Dadurch gewinnen Evergreens wie »Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht« noch an Ausstrahlung.

Ach, würde sie doch den liebenswerten Schwärmer Freddy erhören, dessen Schmonzetten Michael Müller so herrlich herzbewegend ins recht gut ausgesteuerte Mikroport säuselt. Stattdessen reizt, so ist das Leben, die starke Persönlichkeit Eliza eine andere mehr: Higgins. Jörg Sabrowski hat alles, was die Figur braucht. Sprach- und tongewandt zirkelt er den Hochmütigen auf die Bretter ...

Besonders schön ist, dass der Gastdirigent Till Drömann am Pult der spritzig aufgelegten Kieler Philharmoniker zu alledem einen herrlich trockenen, nirgends schwülstigen oder filmmusikalisch aufgebauschten Musical-Stil in Tradition der guten alten Unterhaltungsorchester pflegt. Das perlt mächtig. Entsprechend begeistert reagiert das Publikum – Männer wie Frauen gleichermaßen, so scheint es.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Tempo und Tiefgang (01.01.2016)

Alberich als Bewerber um die Gunst von Eliza Doolittle – kann das gutgehen? Es kann. In Kiel besetzt man das Musical My Fair Lady fast ausschließlich mit Opernkräften. Das führt zu interessanten Perspektiven – vor allem, was die Gestalt des Henry Higgins betrifft. 

Man denkt natürlich zunächst an die großen Protagonisten dieser Rolle aus dem vorigen Jahrhundert, an Rex Harrison und Paul Hubschmid, die das Publikum mit Weichspüler-Charme um den Finger wickelten. Ganz anders jetzt Jörg Sabrowski in Kiel, der erstens (er steht momentan unter anderem als Alberich auf der Bühne) auf eine gepflegte Gesangskultur zurückgreifen kann und zweitens von seiner spröden Bühnenausstrahlung her die Rolle ganz anders anlegt als die beiden Vorbilder: Wenn er den Macho herauskehrt («Lass ein Weib an dich heran!»), kann er ein ziemliches Ekelpaket sein, grob, geradezu gefährlich. Er lässt das angedeutete Happy End fast kippen. Wie in der Vorlage, der ironischen Komödie Pygmalion von George Bernard Shaw, in der Higgins und Eliza mitnichten zusammenfanden. Der große englische Satiriker hätte am Kieler Higgins seine Freude gehabt.

Lesia Mackowycz' Eliza dagegen ist ganz so, wie wir sie von jeher aus dem Musical kennen und lieben: bezaubernd. Ihre Entwicklung von der schnodderigen Göre zur eleganten Dame gelingt überzeugend, ihre vokalen Möglichkeiten umspannen das locker servierte Chanson («Wäre das nich' wundaschön?») ebenso wie die mit dem Aplomb der Operettebndiva vorgetragene Arie («Ich hätt' getanzt heut Nacht»), wobei die Stimme auch innerhalb der Nummern die Farbe wechselt wie ein Chamäleon. Auch Rudi Reschke als Alfred P. Doolittle hat sein Publikum im Griff, wenn er, begleitet von zwei ebenso glänzend aufgelegten Kumpels [William Danne und Siegmar Tonk], seine beiden Evergreens «Mit 'nem kleenen Stückchen Glück» und «Heute Morgen mach' ich Hochzeit» mit tänzerisch-komödiantischem Temperament serviert.

Opernwelt - Gerhart Asche