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Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
Giacomo Puccini

Tosca

- in italienischer Sprache mit deutschen Übertitelm -
Spielstätte: Opernhaus
Sa 02.07. 20:00 Karten

Rom im Jahre 1800: Der Maler Cavaradossi unterstützt durch Fluchthilfe den Republikaner Angelotti und steht so auf der Abschussliste des korrupten Polizeichefs Scarpia. Cavaradossis Geliebte, die Sängerin Floria Tosca, würde alles geben, um den qualvoll gefolterten Künstler aus den Klauen des sadistischen Machtmenschen Scarpia zu befreien. Für eine Nacht mit ihr behauptet Scarpia, Cavaradossi freizugeben. Toscas Leben, das bislang nur der Kunst galt, wird von der Realität brutalstmöglich eingeholt…

Einer der größten Opernkrimis der Musikgeschichte kehrt auf die Kieler Bühne zurück. Giacomo Puccinis 1900 uraufgeführtes Drama nach Victorien Sardous packender Vorlage zählt zu den erbarmungslosesten, spannendsten und gleichzeitig musikalisch opulentesten Kammerspielen des Musiktheaterrepertoires – ein immer wieder fesselnder Psychothriller, der mit Sicherheit jede Neuinterpretation wert ist.

 

Premiere am 30. Januar 2016

Spieldauer: 2 Stunden, 45 Minuten inklusive einer Pause

 

 

Audio

Tosca

ab dem 30. Januar 2016 im Opernhaus

Pressestimmen

So nah als wär man da (01.02.2016)

Der italienische Videokünstler Luca Scarzella hext die römischen Originalschauplätze von Giacomo Puccinis Melodramma Tosca auf die Kieler Opernbühne, zunächst als eher bescheidener Ausschnitt einer Seitenkapelle von Sant’Andrea della Valle, dann frappierend aufgezogen ins Total der imposanten Theatertinerkirche und schließlich virtuell zum Niederknien im klerikalen Finale des ersten Aktes. Scarpias Palazzo wird zum Dreh- und Angelpunkt von Folter und Verfolgung, das Kreiseln und Verschwimmen seiner Wände zum Ausdruck des Psychodrucks, der auf Tosca lastet. Und auch für die Engelsburg, für die innerliche Rückblende des zum Tode verurteilten Mario und den tödlichen Sturz der Titelfigur hält Scarzella überzeugende, technisch hervorragend umgesetzte Projektionen bereit. ...

... die Sänger der Hauptpartien überzeugen. Agnieszka Hauzer gibt der Titelpartie eine flammend leidenschaftliche, auffällig junge Note. Die Sopranstimme hat an Größe und Farbe noch gewonnen, spannt ohne Larmoyanz die Bögen in der Vissi d’arte-Arie und unterscheidet packend zwischen Eifersuchtsgeplänkel, Panik und Entschlossenheit. Yoonki Baek... singt die Partie souverän, strahlend und sympathisch emphatisch, in der Sternen-Arie als Echo des beachtlichen Sängernachwuchses (Johanna Kahlcke als Hirtenknabe) auch berührend innig.

Mit Gevorg Hakobyan hat er einen auch stimmlich übermächtigen Gegner als Scarpia. Der Armenier, zuletzt Kiels Nabucco im Sommertheater, beeindruckt wieder mit gewaltig gewalttätiger Baritonpräsenz und gefährlich intensiv strömender Legatokultur. ... Nicht einmal im Te Deum, das der Opern-und Extrachor mit dem Kinder- und Jugendchor (Einstudierung Lam Tran Dinh und Moritz Caffier) mächtig brausen lässt, ist er zu überhören.

Der Fokus Tosca ist noch in einem anderen Bereich brillant scharf gestellt: im Orchester. Daniel Carlberg, Kiels neuer Stellvertretender Generalmusikdirektor, kann auf die ungewöhnlich engmaschige Tosca-Erfahrung (vorangegangene Premieren: 2007 und 2012) der Philharmoniker aufbauen und mit herrlich nervösem Drängen alle kleinen und großen Thriller-Effekte in Puccinis Meisterpartitur elektrisierend forsch und spannend heranzoomen. Ein sehens- und hörenswerter Abend.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Ein unerhörtes Gebet (31.01.2016)

Keine läppische Liebesgeschichte, sondern leidenschaftliche Abrechnung mit Gott: Lukas Hemlebs existenzialistische Deutung der Tosca.

Die Inszenierung scheint leicht durchschaubar, so wie im Wortsinn das Bühnenbild des ersten Akts. Der Handlungsort – die Kirche – ist lediglich virtuell präsent, als Videoprojektion auf transluzenter Leinwand. Das Geschehen dahinter wirkt dadurch quasi irreal, hingegen das davor an der Rampe stattfindende Agieren der Protagonisten trotz deren körperlicher Nähe merkwürdig künstlich.

Es ist, als ob Regisseur Lukas Hemleb mit den Versatzstücken dieser Oper, deren Handlungsparameter – Zeit und Ort – festgelegt sind wie bei keiner anderen, in Ermangelung echter Alternativen effektvoll experimentiert, um ihr neue Einsichten abzuzwingen: Seine Tosca ist Vexierspiel aus Vorder- und Hintergrundgeschehen, Film und Theater, Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart.

...

Nun erst fällt auf, wie sehr das Erscheinungsbild der Tosca dieser Produktion (Frisur, Kostüm und Perlenkette im Stil der frühen Sechzigerjahre) jenem der »Casta Diva« ähnelt. Statt den Mythos der Figur zu entlarven, lädt Hemleb ihn auf, verbirgt ihn hinter der Maske des Idols (auch dies nur stellvertretend für etwas Grundsätzliches) und macht ihn dadurch doppelt sichtbar. Eine große Herausforderung für die Sängerin, die sich dem Vergleich mit dem als unerreichbar geltenden Ideal geradezu vorsätzlich ausgesetzt wissen und dennoch in Gesang und Darstellung ihre eigene, sowohl sich selbst als der Inszenierung gemäße Interpretation finden muss. Agnieszka Hauzer gelingt genau dies hervorragend. Besonders in Yoonki Baek als Cavaradossi und Gevorg Hakobyan als Scarpia hat sie ihr an Können ebenbürtige Partner. Auch Chor und Orchester unter Leitung von Daniel Carlberg verstehen sich darauf, die gesamte, für Puccini typische Nuancenvielfalt der Leidenschaft – von zart bis brutal – ausdrucksstark zu Gehör zu bringen.

Ob aus Trotz oder als Trost, entlässt der Regisseur die Zuschauer übrigens nicht in die Finsternis: Der virtuell vergegenwärtigte Todessprung der Titelheldin endet in gleißendem Licht.

 

 

wozu-die-oper.de - Christa Habicht

Auf Kamerafahrt (01.03.2016)

... Ein überraschendes Ergebnis: Die Wirkung der Musik wird optisch unterstützt oder gar gesteigert, etwa im Finale des ersten Akts, zum grandios auftrumpfenden «Te Deum». Gerade noch waren wir in der Seitenkapelle der Kirche Sant’ Andrea della valle, nun gleiten wir langsam in das monumentale Hauptschiff. Im zweiten Akt macht Scarzella die seelische Verfassung der von Scarpia bedrängten Titelheldin dadurch sichtbar, dass der Raum sich zu drehen beginnt – bis Tosca beim «Vissi d’arte» wieder Halt und zu sich selbst findet.
...
Lukas Hemlebs Personenführung ist dicht und genau, er arbeitet die Charaktere klar heraus.
Die Hauptrollen kann Kiel eindrucksvoll besetzen: Agnieszka Hauzer singt Tosca mit leuchtkräftigem Sopran, gibt der Figur den Aplomb einer Primadonna; Yoonki Baek ist ein eher lyrischer, in der Höhe allerdings leicht begrenzter Cavaradossi; der armenische Bariton Gevorg Hakobyan ... überzeugt als prägnanter, punktgenau artikulierender Scarpia. Auch in den kleineren Partien ein erfreuliches Bild: Christoph Woo ist ein markanter Angelotti-Bass, Marek Wojciechowski ein komödiantischer Messner.

Opernwelt - Gerhart Asche