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Georg Friedrich Händel

Julius Cäsar

Giulio Cesare in Egitto
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Musikalisch, szenisch und ästhetisch: Händel in Kiel spielt auf höchstem Niveau!

"Sie gehören im Kieler Opernleben mittlerweile zum guten Ton: Barockopern - bevorzugt von Georg Friedrich Händel. Und so ist es nur konsequent, dass nach dem fulminanten Spielzeitauftakt mit Verdis "Aida", eine der meistgespielten Opern der Barockzeit, zur Premiere kommt. Händels "Julius Cäsar" ist zum ersten Mal in Kiel zu sehen und zu hören und ebenso wie schon Händels "Alcina", wieder von Sylvana Schröder inszeniert. Reporter Manfred Gaspar hat schon auf der Generalprobe erste Eindrücke gesammelt."

Hören Sie hier seinen Beitrag:

www.wellenord.de/programm/sendungen/theater/caesar104.html

NDR 1, Welle Nord, Manfred Gaspar
Montag, 12. Oktober 2009

Neues aus der Schlangengrube

"Das Theater Kiel zieht im Gedenkjahr 2009 nach Alcina wieder einen Georg-Friedrich-Händel-Trumpf: Diesmal hat Silvana Schröder das dreiaktige „Dramma per musica“ Giulio Cesare in Egitto inszeniert – mit großem Erfolg ... .
Der Gastdirigent Rubén Dubrovsky leitet ein glänzendes Sängerensemble. In dieser menschlichen Schlangengrube kommen selbst die Guten nicht gut weg, siegt die Liebe nur vorübergehend, feiert das Böse immer wieder hohnlachend seine Wiederauferstehung."

" Tomohiro Takada, als nobler Bariton im Ensemble sonst gebucht auf edelmütigere Herrenpartien, zeigt Spielfreude an der ägyptischen Akzentverschiebung in Händels meistgespielter Oper. Mit mächtig fies knatternder Stimme geriert er sich als vermeintlicher Joker-Titelheld (Ptolemäus)."

"Der brillante Countertenor Antonio Giovannini lässt ihn (Julius Cäsar) lange
hinreißend jammern und schwärmen, bevor in den rasant gesungenen Koloraturen schließlich doch noch stahlharter Kampfeswille durchschimmert."

"Heike Wittlieb kommt als Cleopatra-Akteurin der zugewiesenen zwiespältigen Rolle im Black-Box-Experimentallabor ihres Bruders Ptolemäus zu Recht gekonnt nach. In ihrem Barocksopran-Gesang aber, wieder großartig wie bei ihrer Alcina in der vergangenen Saison, schwingt die ganze Vielschichtigkeit der Partie mit. Exemplarisch dafür genannt sei die tief empfundene Arie Se pietà."

"Man mag die pessimistische Umdeutung und die dem finster funkelnden Kino von Tarantino, Nolan oder Kubrick nahe stehende Bühnen-Ästhetik ein bisschen überstrapaziert finden. Doch wird man der allemal konsequent vorgehenden Choreographin und Regisseurin Silvana Schröder nicht die großartige Fähigkeit absprechen können, die barocken Affekt-Schemata der Arien in ausdrucksstarken Bewegungsmustern anschaulich zu verstärken – oft ausgestellt künstlich, ja im besten Sinne „affektiert“."

"In der klaustrophoben Bühnenbox, die der Ausstatter Andreas Auerbach ideenreich mit allerlei geheimnisvollen Wand-, Boden- oder Deckenklappen aufbricht, belebt so nicht nur der jeweils aktiv Singende das Geschehen, sondern agieren und reagieren auch die anderen Figuren stets interaktiv."

"Das gilt auch für das Dirigat des „historisch informierten“ Gastes am Pult: Rubén Dubrovsky fordert die gut disponierten Kieler Philharmonikerzum Mitfiebern heraus. Das aggressive Bühnengeschehen findet sein Echo in sportiv straffen, aber sängerfreundlich reaktionsschnellen und dynamisch gezähmten Orchesterwellen."

"Jede Rolle im spürbar eingedampften, auf die Rezitative weitgehend verzichtenden Abend, bekommt Profil. Cornelia, brutal zur Witwe des Pompeius gemacht und nun Lustobjekt des Mörders Ptolemäus, taucht die gastierende Griechin Eleni Voudouraki in ein Meer aus wunderschön tränenschweren Alt-Klängen. Ihr auffällig jugendlicher Sohn Sextus muss für den Gestus des Bluträchers erst mühsam die eigenen Ängste überwinden. Amira Elmadfa, neu im Kieler Ensemble wie der ähnlich schlank und gewandt singende Bass Kyung-Sik Woo (als Ptolemäus’ Handlanger Achillas), mischt den grollenden Schwüren von Rachengel Sextus deshalb treffend etliche Fragezeichen unter und verschmilzt ihren anmutigen Mezzosopran noch lieber im innigen Duett mit der Mutter."

Christian Strehk, Kieler Nachrichten
Montag, 12. Oktober 2009

Das ewige Spiel um Macht und Liebe

„Silvana Schröder hat eine verschlankte Inszenierung von Händels "Julius Cäsar" vorgelegt. Damit ist ihr eine packende und abwechslungsreiche Aufführung gelungen.“

„Vor den Augen der Zuschauer wird der besiegte Pompeius enthauptet. Drei wesentliche Motive bestimmen das weitere Geschehen: Trauer und Rachepläne von Pompeius′ Witwe Cornelia und ihres Sohnes Sextus, die zunehmende Brutalität des Ptolemäus bei seiner erfolglosen "Werbung" um Cornelia und die Liebe von Cleopatra und Cäsar. Aus der Dynamik dieser sich durchkreuzenden Kräfte gewinnt Silvana Schröder eine Fülle von packenden Szenen. Katzenhaft-schmeichelnd becirct Cleopatra den römischen Feldherrn solange, bis er ihr völlig verfällt.“

„Mit ungleichen Winkeln und verschiedenen Mustern nimmt Andreas Auerbach diesem Rahmen die geometrische Strenge. Ein Sonderlob gilt der fantasievollen Lichtregie. Unvergesslich die Silhouetten der Bühnenmusiker vor rotem Hintergrund.“

„Beklatscht wird der italienische Countertenor Antonio Giovannini schon nach seinem ersten Solo, erst recht nach seiner großen Arie mit Naturhornbegleitung. Doch auch niemand anders aus dem homogenen Ensemble muss ohne Zwischenbeifall nach Hause gehen. Weder die Griechin Voudouraki mit ihrem warmen Timbre als Cornelia, noch Amira Elmadfa mit ihrer kraftvollen Gestaltung der Hosenrolle des Sextus.“

„Nach ihrer Alcina vor einem Jahr vollbringt Heike Wittlieb mit ihrer Cleopatra erneut eine Glanzleistung. Bei den Männerstimmen betont Tomohiro Takada (Ptolemäus) eindringlich die Charaktermerkmale, Kyung-Sik Woo (Achilles) den pastosen Wohlklang seiner Partie.
Gastdirigent Rubén Dubrovsky hatte keine Mühe, das Kieler Orchester wieder auf barocken Stil einzustellen. Wichtigen Anteil daran hatte das Continuum mit Cembalo, Theorbe und Violoncello.“

„Insgesamt entstand eine packende, abwechslungsreiche und hoch qualifizierte Aufführung. Das wurde denn auch ausgiebig mit Händen und Füßen bejubelt.“

Flensburger Tageblatt, Wolfgang Butzlaff
Montag, 12. Oktober 2009
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