Johannes Brahms
Dirigent: Georg Fritzsch
3. Philharmonisches Konzert
Solisten: Şen Acar (Sopran), Tomohiro Takada (Bariton) |Dirigent: Georg Fritzsch
Sonntag | 20. November 2011 | 11 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 21. November 2011 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Johannes Brahms (1833-1897): EIN DEUTSCHES REQUIEM
Solisten:
Şen Acar (Sopran)
Tomohiro Takada (Bariton)
Jugendchor an der Oper Kiel (Einstudierung: Michael Nündel, Ralf Popken)
Philharmonischer Chor Kiel (Einstudierung: Barbara Kler)
Schweriner Singakademie (Einstudierung: Ulrich Barthel)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Hier gibt es keinen Tag der Rache, hier muss sich das Publikum nicht vor der Darstellung grauenvoller Höllenqualen ängstigen. Im Gegenteil: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ und diejenigen „die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“, verspricht hoffnungsvoll die zarte a-cappella-Preisung, die der Chor in Brahms Deutschem Requiem bereits nach wenigen Takten in die zwar dunklen, dabei aber doch auch tröstlich warmen Klänge der Orchestereinleitung bettet.
Ungewöhnlich und einzigartig erscheint dieses Requiem im Rahmen der gängigen Tradition, denn Johannes Brahms wollte es ausdrücklich als „ein Werk für die Lebenden, nicht für die Toten“ verstanden wissen. Hält man sich die geistige Tiefe dieser Komposition vor Augen, so möchte man meinen, dies sei das Werk eines älteren, abgeklärten Künstlers, doch tatsächlich vollendete Brahms es bereits im Alter von 35 Jahren. Nicht nur der Tod seiner Mutter im Jahr 1865, sondern das Zusammentreffen mehrerer trauriger Gegebenheiten bzw. Lebensumstände werden ihn vermutlich dazu veranlasst haben, ein Requiem zu komponieren. So bekannte Brahms einmal: „Das Leben kann einem mitunter mehr rauben als der Tod“.
Dennoch oder vielleicht genau deshalb wollte er eine Trauermusik schreiben, die weniger auf ein ungewisses Jenseits ausgerichtet ist als – in einer Art tröstendem Kontrapunkt – auf die Leidenden im Diesseits. Mit dieser Vorgabe konnte sein Requiem allerdings nicht mehr den Normen der traditionellen Totenmesse folgen. Deshalb verwendete Brahms statt der lateinischen Liturgie-Texte frei gewählte Verse des Alten wie des Neuen Testaments in deutscher Sprache; und während das katholische Requiem mit der Sequenz Dies irae mahnend und äußerst drastisch die Schrecken des Jüngsten Gerichts ausmalt, konzentriert sich Brahms′ Werk in einer musikalisch mehr als ergreifenden und überzeugenden Art auf den Beistand für die trauernden Hinterbliebenen.
Besonders eindrücklich vertonte der Komponist diese unerschütterliche Glaubenszuversicht in der kraftvollen, reich figurierten und zu Recht berühmten Fuge „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an“, welche sich im 3. Satz über einem langen Orgelpunkt in spannungsreicher Entwicklung auftürmt. Übertroffen wird diese Stelle wohl nur noch von der Herrlichkeit der majestätischen Doppelfuge am Ende des 6. Satzes, die Gott als den Schöpfer aller Wesen und Dinge preist. Wenn Brahms dann schließlich am Ende seines kunstvoll zwischen den Gattungen Requiem und Oratorium pendelnden Werks motivisch den Anfang wieder aufgreift, so ist dies viel mehr als nur der kompositorische Wille zu zyklischer Geschlossenheit, denn in dem innigen musikalischen Ausdruck vereint sich hier die Seligpreisung der Toten mit derjenigen der Trauernden zu Beginn, und so schließt sich der Kreis von Leben und Tod, von Leid und von Trost.
Montag | 21. November 2011 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Johannes Brahms (1833-1897): EIN DEUTSCHES REQUIEM
Solisten:
Şen Acar (Sopran)
Tomohiro Takada (Bariton)
Jugendchor an der Oper Kiel (Einstudierung: Michael Nündel, Ralf Popken)
Philharmonischer Chor Kiel (Einstudierung: Barbara Kler)
Schweriner Singakademie (Einstudierung: Ulrich Barthel)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Hier gibt es keinen Tag der Rache, hier muss sich das Publikum nicht vor der Darstellung grauenvoller Höllenqualen ängstigen. Im Gegenteil: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ und diejenigen „die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“, verspricht hoffnungsvoll die zarte a-cappella-Preisung, die der Chor in Brahms Deutschem Requiem bereits nach wenigen Takten in die zwar dunklen, dabei aber doch auch tröstlich warmen Klänge der Orchestereinleitung bettet.
Ungewöhnlich und einzigartig erscheint dieses Requiem im Rahmen der gängigen Tradition, denn Johannes Brahms wollte es ausdrücklich als „ein Werk für die Lebenden, nicht für die Toten“ verstanden wissen. Hält man sich die geistige Tiefe dieser Komposition vor Augen, so möchte man meinen, dies sei das Werk eines älteren, abgeklärten Künstlers, doch tatsächlich vollendete Brahms es bereits im Alter von 35 Jahren. Nicht nur der Tod seiner Mutter im Jahr 1865, sondern das Zusammentreffen mehrerer trauriger Gegebenheiten bzw. Lebensumstände werden ihn vermutlich dazu veranlasst haben, ein Requiem zu komponieren. So bekannte Brahms einmal: „Das Leben kann einem mitunter mehr rauben als der Tod“.
Dennoch oder vielleicht genau deshalb wollte er eine Trauermusik schreiben, die weniger auf ein ungewisses Jenseits ausgerichtet ist als – in einer Art tröstendem Kontrapunkt – auf die Leidenden im Diesseits. Mit dieser Vorgabe konnte sein Requiem allerdings nicht mehr den Normen der traditionellen Totenmesse folgen. Deshalb verwendete Brahms statt der lateinischen Liturgie-Texte frei gewählte Verse des Alten wie des Neuen Testaments in deutscher Sprache; und während das katholische Requiem mit der Sequenz Dies irae mahnend und äußerst drastisch die Schrecken des Jüngsten Gerichts ausmalt, konzentriert sich Brahms′ Werk in einer musikalisch mehr als ergreifenden und überzeugenden Art auf den Beistand für die trauernden Hinterbliebenen.
Besonders eindrücklich vertonte der Komponist diese unerschütterliche Glaubenszuversicht in der kraftvollen, reich figurierten und zu Recht berühmten Fuge „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an“, welche sich im 3. Satz über einem langen Orgelpunkt in spannungsreicher Entwicklung auftürmt. Übertroffen wird diese Stelle wohl nur noch von der Herrlichkeit der majestätischen Doppelfuge am Ende des 6. Satzes, die Gott als den Schöpfer aller Wesen und Dinge preist. Wenn Brahms dann schließlich am Ende seines kunstvoll zwischen den Gattungen Requiem und Oratorium pendelnden Werks motivisch den Anfang wieder aufgreift, so ist dies viel mehr als nur der kompositorische Wille zu zyklischer Geschlossenheit, denn in dem innigen musikalischen Ausdruck vereint sich hier die Seligpreisung der Toten mit derjenigen der Trauernden zu Beginn, und so schließt sich der Kreis von Leben und Tod, von Leid und von Trost.
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