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Giulio Cesare Corradi
Giovanni Legrenzi

Die Aufteilung der Welt

La Divisione del Mondo - in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln -
Spielstätte: Opernhaus

Die Götter müssen verrückt sein: Liebesgöttin Venus erscheint im Olymp und zieht nicht nur die Blicke aller männlichen Götter auf sich, sondern auch den Zorn von Göttermutter Juno, die die sofortige Ausweisung der Konkurrentin samt ihres Sohnes Amor aus dem Götterhimmel fordert. Selbst Jupiter ist zwischenzeitlich von der schaumgeborenen Schönheit fasziniert, und seine Brüder Neptun und Pluto vergessen ob ihrer Reize fast ihr eigentliches Anliegen: die titelgebende »Aufteilung der Welt« nach siegreicher Schlacht gegen die Titanen – die Erde für Jupiter, die Meere für Neptun und die Unterwelt für Pluto. Dazwischen versucht der keusche Sonnengott Apollo noch seine Schwester »Cinzia« (Diana) an den Mann zu bringen, und auch Göttervater Saturn mischt im bunten Reigen mit …
La divisione del mondo, Die Aufteilung der Welt heißt der diesjährige Opernschatz, der die Barockopernfans an der Förde begeistern wird. 1675 in Venedig, dem »Hotspot« des italienischen Opernlebens uraufgeführt, bietet dieses Erfolgswerk des 17. Jahrhunderts von tänzerisch mitreißenden Arien bis zu tief ergreifenden Lamenti alles, was die Klangkunst der Zeit aufzubringen weiß. Im Jahr 2000 bei den Schwetzinger Festspielen wiederentdeckt, kommt die vor Genialität strotzende Götterparodie nun in ihrer erst zweiten modernen Neuproduktion nach Kiel.

Premiere am 9. Juni 2018

Spieldauer: ca 3 Stunden

Einführungsveranstaltung jeweils 45 Minuten vor Beginn im 2. Foyer des Opernhauses

Pressestimmen

Knietief in der Venusfalle (11.06.2018)

Mit hervorragenden Sängerleistungen, unter Alessandro Quartas dynamischer musikalischer Leitung und in der amüsanten Regie von Ulrich Waller begeistert die Barockoper-Rarität »La divisione del mondo« von Giovanni Legrenzi am Kieler Opernhaus das Premierenpublikum.

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Dass der knapp dreistündige Geschlechterk(r)ampf auch nach dreieinhalb Jahrhunderten noch frech und frisch wirkt, liegt auch am trefflich ironischen Libretto von Giulio Cesare Corradi. Und an Ulrich Wallers sehr geschickt zwischen Boulevard-Tempo und Familienalbum-Statik abwechselnde, von den Kostümen (Ilse Welter-Fuchs) ins 20. Jahrhundert versetzte Inszenierung. Auf der Drehbühne bringt der Leiter des St. Pauli Theaters den Seidentapeten-Palazzo und die Lido-Liegenschaften (Bühne: Nina von Essen) ins Rotieren.
Außerdem vergrößert die amerikanische Choreografin Kim Duddy mit neun biegsamen Körpern des Kieler Balletts immer wieder anschaulich und hochdynamisch allzumenschliche Leidenschaftsanfälle. Alles weitere ist ein Sängerfest.
... Das Premierenpublikum zeigt sich begeistert von der ins Heute (oder zumindest ins Gestern) geholten göttlichen Komödie aus Venedigs Hochbarockzeit kurz vor Vivaldi. Mit guten Gründen am allerstärksten gefeiert wird dabei der quirlige Motor am Pult: Alessandro Quarta.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Wallers erste Oper: Schwung, Niveau und ordentlich Jubel (11.06.2018)

Der abgründige venezi­anische Karneval steht emblematisch für Ulrich Wallers Deutung der Oper »Die Aufteilung der Welt« von Giovanni Legrenzi. Am Sonnabend hatte das Stück Premiere an der Oper Kiel. Waller, Intendant des St. Pauli Theaters, hat zum ersten Mal eine Oper inszeniert. Den boulevardesken Schwung aber hat er an die Förde mitgenommen.

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Das Herz der Produktion aber schlägt im Graben. Der römische Originalklangspezialist Alessandro Quarta eskortiert die Beteiligten präzise und kenntnisreich durchs Geschehen. Die Sopranistin Sonia Tedla Chebreab ist hörbar zu Hause in der barocken Tonsprache mit ihren ungewohnten Rhythmusverschiebungen und Verzierungen. Die betrogene Juno ist bei ihr nicht nur keifende, sondern auch fühlende Ehefrau. ... Das stimmliche Niveau ist insgesamt beeindruckend. Allein die vielen Hosenrollen! Respekt auch dafür, wie weit das Philharmonische Orchester Kiel sich der Epoche stilistisch angenähert hat. Schlank im Ton und lebendig in Arti­kulation und Phrasierung, entrollen die Musiker einen ganzes Kaleidoskop an Stimmungen.

Hamburger Abendblatt - Verena Fischer-Zemin

Ulrich Waller zeigt viel Respekt bei seinem Operndebüt (11.06.2018)

Man mag es nicht glauben. Dieser Opernschatz hat über 325 Jahre geruht, nein, er war vergessen bevor er im Jahr 2000 für die Schwetzinger Festspiele wiederentdeckt wurde und jetzt im Kieler Opernhaus sozusagen seine dritte Geburt nach der Uraufführung 1675 in Venedig erlebt: Giovanni Legrenzis Kritik an der gehobenen venezianischen Gesellschaft komponiert auf das Libretto von Giulio Cesare Corradi ist eine lustvoll böse verpackte Götterparodie mit olympisch herrlicher Musik: »Die Aufteilung der Welt« im Original »La divisione del mondo«.
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Ulrich Waller als Regisseur hat die hohen Herrschaften aus ihren göttlichen Gefilden in die irdischen Niederungen eines venezianischen Mafiaclans aus den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts versetzt und mit allen Zutaten bestückt, die das Klischee einer Mafiafamilie eben so hergibt. Die Hormone spielen bei Männern wie Frauen verrückt, die Waffen sitzen locker, das Hirn bleibt, wenn es um Sex und Liebesverwirrungen geht, auf der Strecke.
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Die durchweg exzellenten Solisten verdienen hohen Respekt, wie Alessandro Quarta höchstes Lob. Das Dirigentenass unter den Barockspezialisten zauberte hingebungsvoll den feinsten Linien nachspürend echten Barockklang und führte das Orchester zu großartigen Hörerlebnissen.

Die Welt - Monika Kötter-Nellissen

Oper Kiel: »Die Aufteilung der Welt« (08.06.2018)

Die Barockoper von Giovanni Legrenzi von 1675 geriet nach ihrem großen Erfolg lange in Vergessenheit. Die Kieler Oper präsentiert das Stück schwungvoll und modern im Mafia-Milieu.

NDR 1 Welle Nord - Susanne Kühn

Auch Götter brauchen Liebe: »Die Aufteilung der Welt« in Kiel (12.06.2018)

Dank Gastregisseur Ulrich Waller, der sich als Leiter des Hamburger St. Pauli-Theaters auf Komödie bestnes versteht, wird alles ganz einfach. Waller haucht den Figuren aus der römischen Mythologie Leben ein, schärft ihre Charakterzüge als Mitglieder einer Mafia-Famiglia und kitzelt aus den großartigen Kieler Sängern auch darstellerische Höchstleistungen. Oder er lässt sie eifach nur singen und kreiert um sie herum mit seinem Regieteam (Bühne: Nina von Essen, Kostüme: Ilse Welter-Fuchs) und fantasievoll choreografierten Balletszenen (Kim Duddy) berückend sinnliche Bilder.

So brilliert Heike Wittlieb als Venus mit feinem Sopran-Timbre und agiert vielschichtig als blonder Vamp und bedauernswerte, von der bigotten Göttergesellschaft verurteilte Frau. Bariton Giacomo Nanni mimt den hinfälligen Göttervater Saturn. Dashuai Chen gibt Jupiter mit herrlich klaren Tenorhöhen als Moralapostel und Machtmensch. Luca Cervoni (Tenor) und Matteo Maria Ferretti (Bass) bilden ein urkomisches Brüderduo als Nepun und Pluto. Beide sind sich einig in ihrer Gefühlskälte gegenüber Cinzia, die Isabella Lee mit zart-melancholischer Aura verkörpert. Lucia Napoli (Apollo),  Tatia Jibladze (Mars), Karola Sophia Schmid (Amor) und Valeria Girardello (Merkur) versprühen in den ursprünglich Kastraten zugedachten Hosenrllen charmant androgynen Charme.

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Alessandro Quarta - als international renommierter Alte Musik-Spezialist - lässt das Kieler Orchester in bester Barockmanier aufspielen und die Gefühlswallungen der Bühnenfiguren trefflich begleiten.
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Eine tolle Aufführung, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.

Schleswig Holsteinische Landeszeitung - Christoph Kalies

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis »Die Aufteilung der Welt« in Kiel (15.06.2018)

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Besinnen wir uns auf die Ausgangslage: die Welt war aufzuteilen, und so wurde es gemacht: Neptun darf das Meer beherrschen, Pluto die Unterwelt. Jupiter bleibt Boss. Klar, dass er das mit einem wunderbaren Tenor auch auf der Bühne sein darf. Dashuai Chen gab ihm Statur und Klang, auch den jovialen Anstrich. Neptun muss ein spritziger Tenor sein, Pluto in der Unterwelt ein tiefer Bass. Luca Cervoni als Gast und Matteo Maria Ferretti aus dem Ensemble hatten dafür stimmige Organe. Mit einem wendigen Bariton imponierte Giacomo Nanni als Saturn, ein junger Sänger, der am Stock zu gehen hatte und beim Schlussbeifall erleichtert Luftsprünge machen konnte. Auch Sonia Tedla Chebreab beherrschte als Juno mit ihrem runden Mezzo nicht nur ihren Göttergatten, auch die barocke Gesangskunst. Dem Ensemble gehört Heike Wittlieb an, deren Venus in Statur und mit wunderbar differenzierter Stimme genussvoll zu erleben war. Isabella Lee schließlich überzeugte als Cinzia (Diana) und ergänzte damit die »natürlich« besetzten Rollen. Die anderen Partien waren wohl einst Kastraten vorbehalten. Hier hatte man für den Apollo stattdessen den klangschönen Mezzo von Lucia Napoli zu bieten, für den Mars die immer wieder erstaunliche Tatia Jibladze aus dem Ensemble, für den Amor die quicklebendige Karola Sophia Schmid, die sich zudem in einer turbulenten Szene im Tanz bewährte, und schließlich als Merkur die ebenfalls grandiose Valeria Girardello. So wurde die Familienfeier zu einem Fest für die Ohren, zumal mit Alessandro Quarta ein ausgesprochener Barockspezialist gefunden worden war, der nicht nur die barocke Musik verstand, sie auch faszinierend vom Cembalo aus oder mit dem Orchester vermittelte.
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nmz online - Arndt Voß