Navigation und Service

Inhalte ausblenden Inhalte dimmen
Giovanni Francesco Busenello
Claudio Monteverdi

Die Krönung der Poppea

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Kaiser Nero ist seiner Gattin Ottavia überdrüssig und hat ein Verhältnis mit Poppea Sabina, die als verführerischste Frau Roms gilt. Nichts kann ihren Aufstieg zur auch mächtigsten Frau des römischen Reichs verhindern: nicht die sittlichen Vorhaltungen des Philosophen Seneca, die nur zu dessen von Nero befohlenem Selbstmord führen, und auch nicht der von Ottavia angestiftete Mordversuch Ottones an seiner ehemaligen Geliebten Poppea, der sowohl Ottavias als auch Ottones Verbannung bewirkt. Am Ende feiern die Liebesgötter Venus und Amor in Poppeas Krönung zur neuen Kaiserin freudig die erfolgreiche Vereinigung von Amoral und Machtgier.
Mit Monteverdis »Krönung der Poppea« von 1643 kehrt ein früher Höhepunkt der Operngeschichte nach über drei Jahrzehnten zurück ins Kieler Opernhaus. Das viel bewunderte Libretto des venezianischen Intellektuellen Giovanni Francesco Busenello zählt zum Schonungslosesten, was es in der Musiktheatergeschichte nicht nur des 17. Jahrhunderts zu finden gibt. Geadelt wir dieser geradezu modern anmutende  Blick auf die allzu menschlichen Vorgänge am römischen Kaiserhof  durch Monteverdis herausragende Vertonung, die bis heute durch ihre psychologische Genauigkeit und fein nuancierte Gratwanderung zwischen komödiantischer Satire und zutiefst bewegender Tragödie fasziniert. Die italienische Regisseurin Serena Sinigaglia, zuletzt gefeiert u.a. für Ihre Inszenierung von Cavallis »Il Giasone« in Genf, gibt mit Monteverdis Meisterwerk ihr Kiel-Debüt.

Premiere am 9. Juni 2019

Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im 2. Foyer

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: »Die Krönung der Poppea«

Ab dem 9. Juni 2019 im Opernhaus

Pressestimmen

Amor mit der Peitsche (10.06.2019)

Mit vielen stilkundigen italienischen Gästen hat die Oper Kiel ein frühes venezianisches Schlüsselwerk der Operngeschichte frisch und frech neu aufgelegt: Die Premiere von Claudio Monteverdis Politsatire »Die Krönung der Poppea« begeistert viele Premierengäste.

...die temperamentvolle Norwegerin Vigdis Bergitte Unsgård lässt keine raffinierte Wortwendung ungenutzt, um diese erotische Kraft auch in ihrem reich blühenden Sopran zu spiegeln.
Claudio Monteverdis faszinierend treffsicheres Porträt einer ewiggültig allzumenschlichen »besseren« Gesellschaft wird im Kieler Opernhaus köstlich präzise ausgerollt.

...
Großartig der Wut- und Trauerflor, mit dem Mezzosopran Adriana Di Paola Poppeas Ex, den Verlierer Ottone, vokal umwölkt. Auch Lucia Napoli findet für die angeblich frigide Kaiserin Ottavia einen prachtvoll herb verhärmten Tonfall und Hye Jung Lee das perlend optimistische Gegenbild für Drusilla. Der Bass Ivan Scherbatyh orgelt die Moralpredigten des todgeweihten Philosophen Seneca angemessen stoisch ins allgemeine Unverständnis hinein. 

Sie alle gleiten mit ihren wortgezeugten Vokalschleifen auf einem vom Gastdirigenten Alessandro Quarta wunderbar organisch mitatmenden Basso continuo, der rechts im hochgefahrenen Graben mit zwei Cembali, Barockharfe, Cello, Kontrabässen sowie Barockgitarre und drei Theorben prächtig tieffrequent besetzt ist. In Atempausen lässt Quarta links den Streicherchor genießerisch tänzeln und aufseufzen.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Die Krönung der Poppea - ein sinnlich-pralles Feuerwerk (11.06.2019)

Die italienische Regisseurin Serena Sinigaglia sieht als aktuelle Kerne in der 375 Jahre alten Geschichte die Selbstverliebtheit und Egomanie der Hauptfiguren, denen der Untergang ihrer Umwelt herzlich egal ist. Und das eigenartige Verständnis von Macht, das Nero im Disput mit Seneca offenbart - ganz auf der Linie moderner Potentaten wie etwa des Türkei-Präsidenten Erdogan.  Zum argumentativen Duktus passt natürlich, dass Dirigent Alessandro Quarta die von Monteverdi ohne Orchestrierungsangaben hinterlassene frühbarocke Partitur ohne Blas- und Schlagwerk realisiert, sondern fast intim und intellektuell mit Streichern, zwei Cembali, drei Theorben und einer Barockharfe. Aber keine Angst: Es kommt keine blutarme Ethik-Debatte dabei heraus, sondern ein sinnlich-pralles Feuerwerk.
Nicht nur, weil das Philharmonische Orchester Kiel auch in dieser Besetzung mit der affektgeladenen Musik Monteverdis ordentlich  Funken zu schlagen versteht, sondern auch, weil Regisseurin Serena Sinigaglia argumentativen Ernst mit augenzwinkernder Komik ideal zu verbinden weiß. Da tritt Liebesgott Amor (Francesca Boncompagni) als herrschsüchtige Domina mit Gerten schwingendem SM-Gefolge auf; da kommen Neros Wachen als moderne Bodyguards in Anzug und Sonnenbrille daher. Seneca (Ivan Scherbatyh) und seine Jünger sind gescheiterte langhaarige Nerds. Und die Ammen Poppeas und ihrer Rivalin Ottavia - Fred Hoffmann udn Chiara Brunello - sind urkomische Charakterstudien.
Und dann die Hauptfiguren: Tatia Jibladze gibt den Nero mit klangvollem Alt als hippiehaften Dandy; Mezzosopranistin Adriana Di Paola verkörpert Poppeas verlassenen Geliebten Ottone als trauriger Kämpfer mit einer erstaunlichen Vielfalt an klanglichen Nuancen; Hye Jung Lee brilliert als dessen Gattin Drusilla mit gipfelstümerischem Sopran und zarter Verletzlichkeit. Lucia Napoli rührt als Neros verzweifelte Gattin Ottavia. Sopranistin Vigdis Bergitte Unsgård fasziniert in der Titelrolle als gesanglich-darstellerische Naturgewalt, ganz Femme fatale, ganz liebende Hingabe, ganz berechnennde Aufsteigerin.
Ganz große Oper!

Schleswig-Holstein Zeitung - Christoph Kalies

Oper Kiel: »Die Krönung der Poppea« (07.06.2019)

Die Begeisterung des italienischen Regieteams ist ansteckend: Eine seltene Barockinszenierung, die auch Randfiguren tragische Schönheit verleiht.

NDR 1 Welle Nord - Kerstin Dühring

Monteverdis »Die Krönung der Poppea« im Stile einer Commedia dell’arte in Kiel (12.06.2019)

Das Kieler Theater hat Erfahrung, die intriganten Liebesspiele in Barockopern unterhaltsam zu inszenieren. Zuletzt war es vor einem Jahr Legrenzis »Die Aufteilung der Welt«, jetzt (Premiere: 9. Juni 2019) folgte Claudio Monteverdis »Die Krönung der Poppea«, sein Beitrag zum venezianischen Karneval, den er zum Libretto Giovanni Francesco Busenellos schuf. Ob die Uraufführung 1642 oder erst ein Jahr später erfolgte, ist – wie so vieles bei diesem Werk – ungewiss und letztendlich für eine neuerliche Aufführung von geringer Bedeutung. Wichtiger ist, dass sie – wie Kiels Version – locker über die Rampe kommt, in sich schlüssig und musikalisch ohrgängig sich präsentiert, vor allem aber die Probleme verdeutlicht, die die Oper aufzeigt: Größenwahn und Herrschsucht, Amoralität und Intrigen. Sie sind zeitlos, verbinden die Römer der Zeit Neros mit den venezianischen Mitbürgern Monteverdis und Busenellos oder die Potentaten und ihre Zuspieler in unserer vielfältig verstrickten Welt.

...

Die musikalische Leitung hatte wieder Alessandro Quarta. Erstaunlich, wie er über die Dauer von fast drei Stunden das Sängerensemble und das Orchester zu sensibler, zugleich schwungvoller barocker Gestaltung animieren konnte. Wieder unterstützten ihn eine große, eigens zusammengesetzte Continuogruppe mit barocken Instrumenten sowie sehr lebendig musizierenden Streicher der Kieler Philharmoniker.

Die satirische Seite der Commedia dell’arte machte dieses Krönungsspiel ungemein vielseitig und kurzweilig. Das kam gut an.

Neue Musikzeitung - Arndt Voß