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Sergej Prokofjew nach Wsewolod Meyerhold
Sergej Prokofjew

Die Liebe zu den drei Orangen

Oper in vier Akten und einem Prolog nach Carlo Gozzi; Deutsch von Werner Hintze, ca. 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause
Spielstätte: Opernhaus
Fr 29.10. 19:30 Besetzung Karten
So 14.11. 19:00 Karten

Eine Oper, verrückt wie ein Kinderspiel: Beginnend mit der Diskussion, welche Form von Theater wir haben wollen, erzählt »Die Liebe zu den drei Orangen« ein gleichnamiges Märchen aus mediterranen Landen. In einem Königreich herrscht Aufregung, weil der Thronerbe und Prinz von einer unheilbaren Melancholie befallen ist. Schon machen sich seine Cousine Clarice und Ministerpräsident Léandre Hoffnungen auf die Macht, unterstützt von der Fee Morgana. Für die Seite des Prinzen aber streitet der Zauberer Celio. Nur durch befreiendes Lachen kann der Prinz kuriert werden, aber alle Unterhaltungsversuche des Spaßmachers Truffaldino scheitern. Bis der Zufall und ein Missgeschick Morganas das Unmögliche erreichen: Der Prinz lacht! Aus Rache verflucht ihn Morgana: Ruhelos soll er in Liebe zu drei Orangen entbrennen und nicht eher zufrieden sein, bis er die Orangen gefunden hat.

Uraufgeführt 1921 in Chicago, zählt Prokofjews »Liebe zu den drei Orangen« aufgrund ihres anarchischen Witzes und der hinreißend spielerischen Musik zu den unterhaltsamsten Opernkompositionen des 20. Jahrhunderts. Die Fülle an Einfällen und unvorhersehbaren Wendungen, die der Commedia-dell’arte-Vorlage von Carlo Gozzi in der Bearbeitung des russischen Theateravantgardisten Wsewolod Meyerhold entspringt, hat Prokofjew zu einer seiner schillerndsten Partituren inspiriert. Mit Regisseur Dirk Schmeding und Ausstatter Pascal Seibicke geben zwei der kreativsten Köpfe der jüngeren Theatergeneration mit diesem unverhohlenen Bekenntnis zur Kraft des Theaters in hoffentlich post-pandemischen Zeiten ihr Kiel-Debüt.

Premiere: 18. September 2021

Aktuell disponieren wir die Spieltermine monatlich, sie werden immer am letzten Dienstag eines Monats für den übernächsten Monat im Leporello veröffentlicht.

Spieldauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: Die Liebe zu den drei Orangen

Pressestimmen

Herrlich frech (20.09.2021)

Hinten auf der Bühne kommentiert und charakterisiert – unter der sichtlich passionierten Leitung von Generalmusikdirektor Benjamin Reiners – das herrlich frech aufmuckende Philharmonische Orchester jeden Stimmungsumschwung, jede Gefühlslage, jede Bedrohung oder Liebeswallung. Plastischer kann man Prokofjews kubistische, mal aggressiv progressive, mal erstaunlich süffige Musiksprache, die seit ihrer Uraufführung 1921 in Chicago Furore macht, nicht anheizen.
Vorn auf der quietschgelben, leeren Spielfläche lässt Gastregisseur Dirk Schmeding dazu die bunten Puppen aus Traum und Albtraum tanzen. In den aufgeblasenen Disney- und Marvel-Kostümen von Ausstatter Pascal Seibicke erlebt der depressiv verstimmte Prinz im Dornröschen-Glassarg ein Erweckungserlebnis der ganz besonderen Art.
Michael Müller-Kasztelan bringt die enorm anspruchsvolle Tenorpartie des von dunklen Mächten bedrohten Thronfolgers denn auch mit maximaler Emphase und Körpereinsatz zum Brennen.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Hervorragend und mit Freude (20.09.2021)

Diese Handlung entfaltet sich zusammen mit einer wie ein Uhrwerk ablaufenden, brillanten Musik, deren Perfektion eine gewisse Kälte entfalten könnte. Aber die Kinder vermögen zu jeder Zeit das Geschehen auf der Bühne zu erden und in einer spielerischen, leichten Komik fortzutragen.
Der Plot bietet auch für die Sänger dankbare Rollen und wirkungsvoll-komische Auftrittsmöglichkeiten.  Der König und die Berater und  Ärzte des alten Hofstaats sind als übermäßig dicke, manchmal kaum noch bewegungsfähige Charaktere kostümiert, wobei alle Akteure neben den gesanglichen Leistungen mit liebevoller, jeweils individuell ausgeprägter Komik agieren, die nie statuarisch oder allzu typisierend wirkt. Da wird eine sehr empathische und mit den einzelnen Künstlern erarbeitete Personenführung sicht- und spürbar, die auch erlaubt, dass der eine oder andere an besonders komischen Stellen seinem Affen Zucker gibt und ordentlich auftrumpft – und das beherrschen alle hervorragend und mit Freude.
Allen voran brilliert in seiner schauspielerischen Komik Jörg Sabrowski als alternder, schon einigermaßen debiler, immer essender König. Dem umfangreichen, ausnahmslos glücklich besetzten Sängerensemble kann man hier nicht im Detail gerecht werden. [...]
Unvergleichlich auch der tragik-komische Prinz von Michael Müller-Kasztelan, dem eine Studie als tapsig-trotzig-kindlicher Prinz aus ur-alt Adel gelingt, ohne den gesanglichen Part der nicht leichten Tenorpartie im mindesten zu vernachlässigen. [...]
Und dann natürlich die Kinder der Akademien am Theater Kiel, die mit ungeteilter, ungestümer Spielfreude Teil der Oper sind als ob diese für sie komponiert wurde. 

O-Ton / Opera Online - Achim Dombrowski

Ansteckendes Lachen (21.09.2021)

Da sind der ohrwurmige Marsch und stimmungsvolle Untermalungen oder dramatische Kommentare. Daran, dass alles gut ankommt, haben vor allem die Kieler Philharmoniker unter Benjamin Reiners Leitung respektablen Anteil. [...]
Alle waren sich darin einig: genesen könne der Prinz nur durch Lachen, das zu erzeugen der König (Ks. Jörg Sabrowski) befahl, das aber erst ein Zufall auslöste. Als es dann befreiend aus ihm herausplatzte, sang Michael Müller-Kasztelan diese Arie so ansteckend, dass selbst im Publikum gelacht wurde. [...]
Es gab viel zu sehen, auch vordergründigen Klamauk wie um die Köchin (mit profundem Bass Sergey Stepanyan) oder das schwebende Teufelchen Farfarello (Samuel Chan). Dennoch: Die Spielfreude der Kinder verband sich sicht- und hörbar mit der der erwachsenen Akteure. Und das Publikum? Es war sehr zufrieden und applaudierte lange. 

nmz online - Arndt Voß

Turbulent, witzig und kurzweilig tiefgründig (28.09.2021)

Turbulent, witzig und kurzweilig tiefgründig: Eigenschaften, welche die Märchenoper „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew auszeichnet und ihn früh berühmt machten. Sie hatte kürzlich unter der Regie von Dirk Schmeding an der Kieler Oper Premiere. Eine herrlich überdrehte Mischung aus Comedia dell’arte mit märchenhaften und parodistischen Zügen, wo irdische und fantastische Elemente à la E.T.A. Hoffmann miteinander streiten; von der vitalen und energiereichen, teils bizarr teils grell-farbig klingenden Musik Prokofjews zusammengehalten. Eine dankbare Aufgabe, die Benjamin Reiners und sein Philharmonisches Orchester bestens umzusetzen weiß. [...]
Temporeich werden die Bilder und teils kurzen Szenen durch zahlreiche Kinder zusammengehalten, die munter und kreischend über die Bühne fetzen, Requisiten verschieben und für Frische und Unbeschwertheit sorgen. Der Opernchor ist mit seiner gelungenen Ausstattung (Pascal Seibicke) auch stimmlich bestens in die Handlung eingebunden.

Schleswig-holsteinische Landeszeitung - Werner Bodendorff