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Paul Schott frei nach Georges Rodenbach
Erich Wolfgang Korngold

Die tote Stadt

in deutscher Sprache mit Übertiteln
Spielstätte: Opernhaus
Sa23.11.19:30BesetzungKarten
Do19.12.19:30BesetzungKarten
So05.01.16:00Karten
Do09.01.19:30Karten
Mi12.02.19:30Karten
Di10.03.19:30Karten
Fr03.04.19:30Karten

Der Witwer Paul kann den Tod seiner Frau Marie nicht verwinden. Umgeben von zu Reliquien erhobenen Erinnerungs­stücken lebt er in einer »Kirche des Gewesenen«. Doch ein Tag ändert Alles: Paul begegnet Marietta, einer Doppelgängerin seiner Frau, das gleiche Haar, das gleiche Lachen und: die gleiche Stimme! Wird sein »Traum der Wiederkehr« wahr?

Ein Psychodrama, beeinflusst von Sigmund Freuds Traumdeutung, in dem die Grenzen von  Traum und Realität verschwimmen.  Wir träumen mit Paul den »Traum der Wiederkehr« und wir erkennen mit Paul, dass man die Vergangenheit nicht festhalten kann und darf.

Erich Wolfgang Korngold war gerade einmal 23 Jahre alt, als er mit »Die tote Stadt« seinen größten Opernhit schrieb. Schon dessen doppelte Uraufführung in Hamburg und Köln im Dezember 1920 wurde bejubelt. Zwischen Spätromantik und Expressionismus balancierend, bietet Korngold einen Klangrausch ohnegleichen: grotesk-rauschhafte Tänze, in Glockenklänge eingebettete Prozessionen, und echte Ohrwürmer wie »Glück, das mir verblieb« oder »Mein Sehnen, mein Wähnen, es träumt sich zurück«.

Kurzeinführungen 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im 2. Foyer

Spieldauer:  2 Stunden und 45 Minuten, inklusive einer Pause

Premiere: 13. Oktober 2019

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: »Die tote Stadt«

Ab dem 13. Oktober im Opernhaus

Pressestimmen

Nachhaltig eindrucksvoller Abend (26.09.2019)

Die junge Regisseurin Luise Kautz zeichnet ein morbides, nicht durch traumverlorene Irrationalitäten geschöntes Bild von Erich Wolfgang Korngolds Psychodrama »Die tote Stadt«. Jede Hoffnung welkt hier real wie Herbstlaub.
Der Tenor Norbert Ernst hat für die Partie des Witwers und ihre hier betonten Abgründe die perfekte Stimme: In betörenden Höhenflügen kann er von seiner Marie schwärmen, sich aber auch bohrend ätzend vor sich selbst und seiner erotischen Entgleisung ekeln. Vor allem nutzt er die große Aufgabe nicht zur stimmlichen Selbstdarstellung, sondern zur Charakterzeichnung – bis zum bewegend resignierenden Verdämmern am Schluss: »hier gibt es kein Auferstehn ...«
Optimal besetzt ist auch die personifizierte Versuchung Marietta: Agnieszka Hauzer trifft mit ihrem leuchtenden, jugendlich-dramatischen Sopran die Euphorie der Zwanziger-Jahre-Diva genauso wie die Kampfansage an die übermächtige, obgleich tote Nebenbuhlerin. [...]
Die Philharmoniker schwelgen und flüstern, schauern und schreien, keckern und malen, was das Zeug hält. Dabei gelingt es Reiners, den so gefürchteten Überdruck auf die Stimmen in Grenzen zu halten. Im Parkett ist alles gut zu vernehmen. Die Lücken zwischen den Sängerdialogen werden aber umso bedrohlicher genutzt: Da knattert das Schlagwerk, dröhnt das Blech, taumelt das Orchester mit Wucht in den multistilistischen Wirbel der Wilden Zwanziger hinein. Und so zeigt sich bisweilen sogar eindrucksvoll dreidimensional im Raum aufgefächert: Korngold benutzt zwar die Zauberkästen von Puccini und Strauss, findet aber eine eigenständige, partiell modernere Sprache. Ovationen für einen nachhaltig eindrucksvollen Abend!

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Großartige Inszenierung (26.09.2019)

Regisseurin Luise Kautz führt den Zuschauern die seelischen Abgründe, Obsessionen und Konflikte ihres leidenden Helden in faszinierend finsteren Bildern und einer beeindruckenden Personenregie vor. Hinter der braven biedermeierlichen Fassade der Realität (Bühne: Valentin Mattka) lauern im dichten Theaternebel Traumbilder voll erotischer Fantasien, Begierden und Bigotterie in einer dekonstruktivistisch-konstruktivistischen barocken Parklandschaft, die sich auf geniale Weise geradezu ballettartig in Musentempel, Kirchenschiff oder Labyrinth verwandeln lässt.
Der Wiener Tenor und Bayreuth-Star Norbert Ernst zeichnet in seinem Rollendebüt einen Paul voll verzweifelt-nervöser Überspanntheit, hingerissen zwischen der Trauer um die Tote und der Sehnsucht nach lebendiger Liebeserfüllung. Ein am Tod seiner Frau zu Tode Erkrankter, der sich auch am Ende nicht von ihr lösen kann. Seinen enorm umfangreichen Gesangspart beherrscht er bravourös, gestaltet ihn vielschichtig zwischen Trauer, Wut, Verzweiflung und Euphorie. [...]
Orchestral brennt Kiels neuer Generalmusikdirektor Benjamin Reiners mit seinen Philharmonikern ein Feuerwerk ab. Die vielstimmig und rhythmisch komplex gestaltete Partitur mit ihrem üppigen Instrumentarium changiert zwischen Giacomo Puccini und Richard Strauss, enthält operettenhafte Melodien mit Ohrwurmcharakter, nagt mitunter aber auch an den Grenzen des Atonalen. All das wird im Orchestergraben mit Temperament, Klangsinn und gutem Gespür für die Bedürfnisse der Gesangssolisten umgesetzt. Eine großartige Inszenierung, die Mitleid mit ihrem Helden weckt.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung - Christoph Kalies