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Hector Berlioz nach Vergil
Hector Berlioz

Die Trojaner

in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln, ca. 4 Stunden 10 Minuten, zwei Pausen
Spielstätte: Opernhaus
Fr10.04.16:00
So19.04.16:00
Sa16.05.18:00Karten
Do21.05.17:00Karten
Do28.05.18:00BesetzungKarten
So07.06.17:00Karten
Fr12.06.18:00BesetzungKarten

Ein Meisterwerk des Musiktheaters, das lange Zeit als unaufführbar galt und auch in Kiel noch nie gespielt wurde: Hector Berliozs Grand opéra in fünf Akten »Die Trojaner«. Der Komponist sah das anders: »Es ist etwas Großes und Starkes und, trotz scheinbarer Kompliziertheit der Mittel, sehr Einfaches«. Eine komplette Aufführung seines Werkes durfte der Komponist nicht mehr erleben.

Das Kieler Opernhaus stellt mit den »Trojanern« nach Meyerbeers »Hugenotten«, Rossinis »Wilhelm Tell« und Aubers »Stummen von Portici« ein weiteres Werk der Pariser »Großen Oper« neu zur Diskussion.  Indem Berlioz selbst seinen Operntext nach  Vergils »Aeneis« schrieb, stellte er seine »musikalische und seine vergilische Leidenschaft zufrieden«. Die zwei Teile der Oper überschrieb er mit »Die Einnahme von Troja« (1.-2. Akt) und »Die Trojaner in Karthago« (3.-5.Akt).

Die Überschriften verraten schon, dass es um zwei antike Völker, um Krieg und Frieden und um Zukunftsutopien geht. Ihnen hat sich die Liebe unterzuordnen, weder Kassandra und Choroebus finden ihr Glück, noch Dido und Aeneas. Hätten sie eine andere Wahl gehabt oder war ihr Schicksal vorherbestimmt? Ein gewaltiger Stoff für eine gewaltige Oper!

Premiere: 7. März 2020
Einführungen 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im 2. Foyer

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: »Die Trojaner«

Ab dem 7. März 2020 im Opernhaus.

Pressestimmen

Musikalisch einiges zu bieten (08.03.2020)

Musikalisch hat die Oper einiges zu bieten, weshalb man sich wünscht, das Werk häufiger auf den Spielplänen zu sehen. Da ist zunächst einmal die "Chasse royale" zu nennen, die den Übergang vom dritten zum vierten Akt markiert und bei der sich Dido und Aeneas erstmals näherkommen. Daniel Carlberg setzt dieses großartige Instrumentalstück mit dem gut disponierten Philharmonischen Orchester Kiel wunderbar um. Auf eine Bebilderung der Jagd wird verzichtet. Stattdessen blitzen immer wieder Scheinwerfer auf, die Aeneas siegreich im Kampf gegen mehrere Soldaten zeigen. Dazwischen erscheint in einem Lichtstrahl immer wieder Dido, für die Aeneas zu kämpfen scheint. Einmal taucht hier auch Kassandra auf, so dass sich Aeneas zwischen diesen beiden Frauen bewegt. Auch die bombastischen Chorszenen werden vom Opern- und Extrachor des Theaters Kiel unter der Leitung von Lam Tran Dinh stimmgewaltig umgesetzt. [...]
Auch die Solisten des Abends überzeugen auf ganzer Linie. Tatia Jibladze begeistert als trojanische Seherin Kassandra, die von ihrem Volk nicht verstanden wird, mit dramatischem Mezzosopran und enormer Bühnenpräsenz. Dabei arbeitet sie die düsteren Vorahnungen der Prophetin eindrucksvoll heraus. Zu einem musikalischen Höhepunkt des ersten Aktes avanciert das Duett mit ihrem Verlobten Choroebus, den Sihao Hu mit kräftigem Bariton ausstattet. Ein weiterer Glanzpunkt in Jibladzes Interpretation ist Kassandras kollektiver Selbstmord mit den übrigen trojanischen Frauen. Ji-Min Park verfügt als Aeneas über einen kräftigen,  höhensicheren Tenor, der mit großer Dramatik Laokoons Tod schildert und dies als Zeichen dafür deutet, das Pferd in die Stadt zu ziehen. [...]
Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist das große Duett "Nuit d'ivresse" am Ende des vierten Aktes, in dem Hauzer und Park stimmlich und darstellerisch zu einer betörenden Innigkeit finden. Schon die Vorbereitung dieser trauten Zweisamkeit durch das Tableau mit dem Chor, das einen Moment des inneren Friedens suggeriert, wird hervorragend umgesetzt. Wie schon in anderen Inszenierungen sieht auch Liedtke in Merkur den Schatten Hektors, der die beiden Liebenden mit seinen "Italie"-Rufen aus ihren Träumen reißt.

 

Online Musik Magazin - Thomas Molke

Gelungener Kraftakt (09.03.2020)

Die Regisseurin Alexandrea Liedtke hat in der Oper Kiel mit enorm starken Bild-Tableaus Hector Berlioz' gigantische Mythen-Oper »Die Trojaner« als düsteres Fanal gegen unbedachte Kriegstreiberei zu fassen bekommen. Und der Grand-opéra-erfahrene Dirigent Daniel Carlberg zündet mit den faszinierend wendigen Philharmonikern und einem großartigen Sängerensemble dazu die raummusikalisch aufgefächerten Effekte. Er lässt die oft erstaunlichen Klangfarben der französischen Riesenpartitur dräuen und schillern, hetzen und schmeicheln. Entsprechend begeistert und beeindruckt reagiert das Premierenpublikum der Kieler Erstaufführung – gut 150 Jahre nach Entstehung des Werkes. [...]
der im Kern noch lyrische Ji-Min Park steigert sich bei seinem Debüt bravourös in die latent heldische Partie hinein und setzt in seiner großen Soloszene vor dem klammheimlich geplanten Abschied von Dido ein hochemotionales tenorales Ausrufezeichen.

Kieler Nachrichten - Christian Strehk

Hochemotionale Musik (09.03.2020)

Mitreißend eingängige Musik mit großen Chorszenen, die integraler Bestandteil der Handlung sind. Eine Geschichte, die aktuelle Bezüge möglich macht – wie Flüchtlingselend, Massenlenkung und -hysterie, falsches Heldentum oder Geschlechterrollen. [...]
Überhaupt ist das Spiel mit Licht und Schatten faszinierend und steht exemplarisch für eine Ästhetik der Andeutung, der sich das Regieteam offenbar verschrieben hat. Direkte Gegenwartsbezüge werden gemieden, das Geschehen erscheint zeitlos; eingeblendete Texte aus Christa Wolfs Roman Kassandra bieten philosophische Denkanstöße. [...]
Kassandra (Tatia Jibladze) und Dido (Agnieszka Hauzer) sind die großen tragischen Frauenfiguren dieser Geschichte. Kassandra warnt die Trojaner vor der List der Griechen, und Dido kann ihren Geliebten Aeneas (Ji-Min Park) nicht von seiner Italien-Sehnsucht abhalten. Alle drei Darstellenden füllen ihre Rollen großartig aus und überzeugten ebenso wie das Solistenensemble und der vielstimmig und expressiv agierende Chor. Musikalisch setzt Daniel Carlberg auf einen klaren, tief grundierten Streichersound und auf raffinierte Raumklänge, die durch Bühnenauftritte von Oboisten und Blechbläsern, aber auch durch Einspielungen vom Band geschaffen werden. Dabei ist die hochemotionale Musik nie Selbstzweck, sondern unterstützt das Geschehen wie die Gefühlslage der Figuren hervorragend.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung - Christoph Kalies