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Theaterfilm sehr frei nach Lewis Carroll

Streaming: Alice (Uraufführung)

Fr23.04.20:00Karten
Mi28.04.20:00Karten

Woran kann ich mich nicht mehr erinnern? Und – war ich wohl noch dieselbe, als ich heute Morgen aufstand? Und – was passiert, wenn ich falle? Mich fallen lasse in Beobachtungen, Überlegungen und Gefühle, ausgelöst durch Rätsel ohne Lösung und Fragen ohne Antwort? Diese und ähnliche Gedanken formuliert Alice aus Lewis Carrolls Klassiker von 1865 auf ihrer Reise ins Wunderland, in dem gänzlich andere Regeln zu gelten scheinen. Alice ist eigentlich ein gewöhnliches Mädchen, könnte man meinen. Es sitzt an einem sonnigen Nachmittag am Fluss, döst, und wünscht sich etwas Ablenkung. Ein vorbeieilendes Kaninchen mit Weste und Taschenuhr kommt ihr gerade recht, um sich kopfüber in ein Abenteuer zu stürzen. Womöglich hätte sie sich schon hier über dieses Wesen wundern können, dafür bleibt ihr auf der beginnenden Reise jedoch noch genug Zeit. Wichtiger ist in diesem Moment der Aufbruch und die leidenschaftliche Hingabe, mit der Alice sich ins Wunderland begibt. Er wird zum Aufhänger für die frisch entstandene Inszenierung.

Der zeitlose Roman Lewis Carrolls inspirierte mit seinen existenzialistischen Fragen und einem besonderen Sprachwitz, der zwischen Sinn und Sinnlosigkeit mäandert, zu einer besonderen  Stückentwicklung. Zum ersten Mal arbeitet dafür die Regisseurin Anna-Elisabeth Frick am Schauspiel  Kiel. Sie entfaltet poetische Bilder und bunte Gedankenströme, die uns in eine wundersame, surreale Welt mitnehmen. Alice, die uns im Film in dreifacher Ausführung begegnet, lädt uns ein, mit ihr auf die Reise zu gehen. Dabei wird die sich völlig furchtlos in die Welt hinaus begebende Protagonistin auch ins Innere ihrer eigenen Person geführt. Der Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit, mit der Alice sich scheinbar widersinnigen Fragen widmet, wohnt ein utopisches Potenzial inne: Sie stellen die Welt, wie wir sie kennen, substanziell in Frage und fordert auf, sie neu zu denken und womöglich zu erleben. Wie könnte die Welt andersartig funktionieren? Wie könnten wir mit ihr umgehen und mit ihr in Beziehung treten? Der so entstandene Theaterfilm entwickelt philosophischen Tiefgang auf lustvoll spielerische Weise.

Digital-Premiere: 8. April 2021

Pressestimmen

Anarchisch poetisches Spiel (10.04.2021)

Als Projektionsfläche und Denkraum ist die Geschichte von Alice im Wunderland (1865), die im Kaninchenloch unbekannte Welten entdeckt, schier unerschöpflich. Und die drei Schauspielerinnen vom Theater Kiel erobern sich diese im Film Alice, mit Regisseurin Anna-Elisabeth Frick an der Kamera, mit großer Spielenergie neu. […]
Zwischen Selbstsuche und Weltverbesserung zettelt das Frauenteam hier ein wild vergnügtes Vexierspiel an. Sie toben durch den Raum, sinnieren gewichtige Sätze in die Kamera oder einfach den prima verzwirbelten Nonsens aus dem Original. Die irre Herzkönigin ist ganz rätselhafte Unergründlichkeit (Jennifer Böhm), das Kaninchen hat verstörend viele Gesichter (Ellen Dorn) und die Grinsekatze ist in Gestalt von Tiffany Körber großartig großäugig Plüschkamerad und Kinderzimmer-Schreck zugleich. […]
So entsteht ein anarchisch poetisches Spiel mit den Möglichkeiten, in dem die drei Schauspielerinnen den Raum ganz befreit erobern und erweitern. Bis an die Grenze improvisiert, exakt durchchoreografiert und stets im harmonischen Gleichklang ihrer Dreifaltigkeit.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Irrwitziger Bilderbogen (10.04.2021)

Sehr frei nach dem berühmten, 1865 entstandenen Roman „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll hat Gastregisseurin Anna-Elisabeth Frick gemeinsam mit ihrem dreiköpfigen Ensemble ein Stück entwickelt, das die wundersame Reise der kindlichen Protagonistin als irrwitzigen Bilderbogen präsentiert.
Im schnellen Wechsel aus theatralen Spielszenen, für die Ausstatterin Martha Pinsker unterschiedliche, kitschig-bunte Orte eingerichtet hat, und Filmsequenzen, in denen Alice durch das Kieler Stadtgebiet irrt, taucht der Zuschauer ein in eine surreale Welt, die albtraumhafte Züge trägt.In blauem Overall mit rotblonder Perücke auf dem Kopf und dicker Brille auf der Nase präsentieren sich Jennifer Böhm, Ellen Dorn und Tiffany Köberich als drei Versionen einer Figur, deren Gedankenströme um Sinn und Unsinn der eigenen Existenz kreisen.

Schleswig-holsteinische Landeszeitung - Sabine Christiani

Bewegtbild-Brainstorming (09.04.2021)

Anna-Elisabeth Frick tut für ihre erste Arbeit am Schauspiel Kiel erstmal gut daran, nicht dem Kino (oder für die, die sich nicht mehr erinnern: den Streaming-Anbietern) Konkurrenz machen zu wollen. Ihr "Theaterfilm“ ist keine mit Kameras eingefangene Inszenierung auf der Theaterbühne, aber auch kein Spielfilm. Er ist eine Art Werkstatt-Einblick, Bewegtbild-Brainstorming, eine Alice-Collage.

nachtkritik - Max Florian Kühlem