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13 Dichter für Peter Rühmkorf zum 90. Geburtstag

Ansteckendes Pfeifen

Spielstätte: Schauspielhaus
Do24.10.19:00Karten

 

Heute morgen mich plötzlich wieder mal

Auf der Straße pfeifen gehört,

einfach so Johnny Griffin

»Wading in the Water«,

doch kein schlechtes Zeichen.

 

Peter Rühmkorf (1929–2008) war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts und gewann im Laufe seines Lebens viele Auszeichnungen und Preise für sein Werk.

Die Arno Schmidt Stiftung und das Schauspiel Kiel laden zusammen mit dem Institut für Neuere Deutsche Literatur der Christian Albrechts Universität Kiel, am Vorabend seines Geburtstages 13 deutschsprachige Autorinnen und Autoren ein, die selbst ausgewählte Lieblingsstücke aus Rühmkorfs Werk ihm zu Ehren und zum Gedächtnis lesen werden:

Mirko Bonné, Daniela Danz, Nico Bleutge, Dagmar Leupold, Jochen Mißfeldt, Marion Poschmann, Dirk von Petersdorff, Arne Rautenberg, Doris Runge, Almut Sandig, Rieke Scheffler, Jan Wagner und Feridun Zaimoglu. Die Dramaturgie des Abends übernimmt Brigitte Landes, Berlin.

 

Kurzbiografien der Autor*innen

Mirko Bonné
ist Jahrgang 1965, ursprünglich in Bayern geboren, aber bereits 1975 in den Norden umgezogen, wo er seitdem in Hamburg lebt. Seit den 90er Jahren ist Bonné als Autor aktiv: In seiner Prosa beschäftigt er sich mit den Mechanismen des Verbergens und Verdrängens, in seiner Lyrik widmet er sich den Themen Landschaft, Lebendigkeit und Erinnerung. Der Ausspruch Rühmkorfs aus seinem Gedicht Tagelied scheint auch zum Werk Bonnés zu passen: „Das Leben, das wir beide so verehren, es rast - es rinnt.”

Daniela Danz
wurde 1976 in Eisenach geboren, studierte an mehreren Orten Kunstgeschichte und Germanistik, promovierte schließlich und ist seit 2002 freiberufliche Autorin und Kunsthistorikerin. Diese beiden Gebiete klingen auch in ihrer Lyrik immer wieder an, wenn sie etwa in Das ist das Land schreibt: „das sind die Dörfer die im Schlaf über mich kriechen mit schweren Sockeln“. Seit 2013 ist sie Leiterin des Schillerhauses in Rudolfstadt.

Nico Bleutge
wurde 1972 in München geboren und studierte in Tübingen Germanistik, Rhetorik und Philosophie und lebt dort bis heute. Er sucht oft tagelang nach dem richtigen Wort für eine bestimmte Stelle: Nicht zuletzt deswegen ist seine Art des Schreibens bestechend klar, wenn er in im fenster, am winzigen diese Worte wählt: „bis an die grenze pendelt sich alles ein auf das hin und her des genicks, die geschliffenen steine am kettchen, kameras und das klicken der augen beim aufschaun.“

Dagmar Leupold
Jahrgang 1955, studierte in Marburg und Tübingen und legte ihr Staatsexamen in Germanistik und Philosophie ab. Sie ist seit 1998 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, lebt als freie Autorin in der Nähe von München und arbeitet u. a. für die ZEIT. In Café Hennerdreck erzählt sie, wie Peter Rühmkorf es auch oft tat, über eine Alltagssituation in einem Café: „der alte Apfelbaum der uns beschattet wird nichts verraten, nichts von den großen Portionen und nichts von dem großen Hunger“.

Jochen Mißfeldt
wurde 1941 im schleswig-holsteinischen Satrup geboren. Viele seiner Werke sind geprägt durch seine Erfahrungen als Pilot bei der Luftwaffe, so etwa der Gedichtband Gesammelte Ängste oder der Fernsehfilm Überflug. Bereits mit 41 Jahren wurde er nach seiner Karriere als Pilot in den Ruhestand verabschiedet und fing im Anschluss daran an, in München und Kiel zu studieren. Doch er schreibt nicht nur eigene Werke, sondern beschäftigte auch mit dem Werk Theodor Storms und veröffentlichte schließlich eine Storm-Biografie.

Marion Poschmann
wurde 1969 in Essen geboren. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Slawistik sowie szenisches Schreiben und ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Die taz schrieb über sie: „Marion Poschmann schreibt eine abgründig heitere, makellos schöne Prosa, bleibt aber dabei jederzeit die Lyrikerin, unter deren metaphorischen Händen alles, was sie anfasst, zu symbolhafter Form aufläuft und sich damit dem allzu direkten Wirklichkeitsbezug entzieht.“

Dirk von Petersdorff
wurde 1966 in Kiel geboren und ist heute als Literaturwissenschaftler und Schriftsteller tätig. Er hatte die Poetikdozentur der Universität Mainz inne und Deutschlandfunk schrieb über ihn: „Bekannt wurde Dirk von Petersdorff [...] vor allem als Lyriker, der die Avantgarde ebenso hinter sich gelassen hat wie neoromantische Sehnsüchte nach dem Tragischen – und der strenge lyrische Formen mit popsonghafter Leichtigkeit zu verbinden versteht.“ Er schafft es, insbesondere innerhalb der jüngeren Lyrik, immer unverwechselbar zu bleiben und den Alltag (so trist er auch manchmal sein mag) in seinen Gedichten genau so darzustellen.

Arne Rautenberg
wurde 1967 in Kiel geboren und lebt dort bis heute. Hauptsächlich verfasst er Lyrik, beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf diese Gattung. Außerdem betätigt er sich künstlerisch und ist seit 2006 Lehrbeauftragter an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. 2013 erhielt er außerdem die Lilienkron-Poetik-Dozentur. Über Kiel schrieb er in seinem Gedicht kiel: „wann kommt das silber der ostsee in riesigen schwärmen
wann hat das wasser die wärme hineinzusteigen
wann dröhnt infernalisch ein signal in gedärmen
wann verschwinden die fähren in eisigem schweigen“ und macht so neugierig auf seine Interpretation Rühmkorfs!

Doris Runge
Jahrgang 1943, studierte in Kiel und war im Anschluss an ihr Studium kurze Zeit als Lehrerin tätig. Auffällig an ihrer Lyrik ist die Klarheit der Sprache. In ich schreibt sie:
»ich bin deine hand
dein mund
ich bin da
wenn der kuß fort ist“
Zumindest der Titel erinnert an Rühmkorfs Gedicht “Ach, wär ein Ich” (auch wenn die beiden beim Schreiben unterschiedlich vorgehen), in dem Rühmkorf schrieb:
„lieber ein Lied-
chen, das mich außer Landes trüge,
am liebsten Liebe, die
- wie kurz sie sei –«

Almut Sandig
geboren 1979, verfasst Lyrik, Prosa und Hörspiele. Erste literarische Texte veröffentlichte sie auf gratis Postkarten und Plakaten. Von 2007 bis 2009 gab sie die Literaturzeitschrift EDIT mit heraus und schloss 2010 ihr Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig mit dem Diplom ab. In den darauffolgenden Jahren wurde sie vielfach ausgezeichnet und war u. a. 2015 Writer in Residence an der University of Nottingham und erhielt eine Poetikdozentur in Mainz.

Rike Scheffler
wurde 1985 geboren und ist Dichterin, Performerin und Künstlerin. Sie studierte Psychologie in Berlin und Literarisches Schreiben in Leipzig. Für ihre Arbeit erhielt sie Stipendien und Förderungen u. a. vom Goethe Institut London und der Akademie der Künste Berlin. Sie beschränkt sich keineswegs auf die Lyrik: zu ihren jüngsten Werken gehört die Soundinstallation „Becoming Water“.

Jan Wagner
geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Er studierte Anglistik an der Universität Hamburg, in Dublin und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Lyriker und schreibt über Lyrik. Sein erster Gedichtband erschien 2001, in den Jahren darauf folgten viele Veröffentlichungen, die wiederum viele Auszeichnungen nach sich zogen: 2015 wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und 2017 mit dem Georg-Büchner-Preis.

Feridun Zaimoglu
ist ein deutscher Schriftsteller türkischer Herkunft. Er wurde 1964 in Anatolien geboren und kam schließlich für sein Studium der Kunst und der Humanmedizin an die Kieler Universität. In seinen Werken stehen oft die Ausgegrenzten im Mittelpunkt und er verarbeitet darin, so scheint es jedenfalls für die Lesenden, ein Stück weit seine eigene Geschichte. Er wurde vielfach ausgezeichnet und schreibt als freier Journalist und Essayist u. a. für die ZEIT.