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Ingrid Lausund

Bin Nebenan. Monologe für Zuhause

Menschen in ihren eigenen vier Wänden und deren Einrichtungsversuche. Menschen, die vielleicht sogar nebenan wohnen, deren Leben hinter der Haustür aber oft im Verborgenen bleibt. In Ingrid Lausunds Monologen für Zuhause werden diese Türen ein Spalt breit geöffnet, um einen Blick in die unterschiedlichen Wohnungen dahinter zu erhaschen. Und was man dort an seltsamen Zeitgenossen vorfindet, ist bemerkenswert – mal sehr komisch, skurril und verschroben, mal traurig und nachdenklich, mal derbe und unglaublich: Mint und Hellblau gegen ein bedrohliches Außen, Gemütlichkeitsrituale gegen Panikattacken, die perfekt geputzte Küche als pseudo-sakraler Raum, Alltagsprobleme und aberwitzige Sinnkrisen, sanierungsbedürftige Innenräume und emotionale Rohrbrüche.

Ingrid Lausund war Hausautorin am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und hat unter dem Pseudonym Mizzi Meyer die Drehbücher für die Erfolgs-Comedy-Serie »Der Tatortreiniger« mit Bjarne Mädel geschrieben. In ihrem ebenso bissigen wie feinsinnigen Monologreigen
lauern zwischen teuren Möbeln, orientalischen Teekannen, duftenden Badezusätzen, Videokollektionen mit schlechten Actionfilmen und Plüschzebras an jeder Ecke, unter jedem Tisch und hinter jedem Sofa groteske Zustände und menschliche Abgründe. Ein einzigartiger Einblick in private Innenräume – derzeit vielleicht aktueller denn je.

 

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: Bin nebenan

Ab dem 23. April 2021 im Schauspielhaus!

Pressestimmen

Liebevolle Porträts (24.04.2021)

Für die einen ist es das Sofa von Ikea, für die anderen das Abtauchen in einer Gute-Laune-Badekugel oder der Duft nach frischen Küchenkräutern: Zuhause. Darum (und um die Sehnsucht und Suche danach) geht es in Ingrid Lausunds Stück "Bin nebenan" [...]
Im Laufe des Stücks gibt es keine raffinierten Querverbindungen, Verknüpfungen oder gar Wiederauftritte von bereits bekannten Figuren. Absolute Autonomie kennzeichnet die Monologe. Das macht jeden einzelnen zu einem autarken kleinen Stück Theater. [...]
Das Bühnenbild von Iris Kraft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Was zunächst wie eine riesige, überdimensionale, reinweiße Ikea-Tasche daherkommt, wird im Lauf des Abends zur puren und äußerst flexiblen Behauptung für die unterschiedlichen Interieurs. Zwischen den Szenen verändern die Darsteller*innen es mit wenigen Handgriffen. Dann sackt es mal wie ein schlaffer Luftballon über der gesamten Bühne zusammen, krabbeln Darsteller darunter hervor oder wird es zur heimeligen Wohlfühlhöhle gefaltet. [...]
Andere Male wiederum gelingen ihr liebevolle Porträts dieser Menschen von "nebenan". Dann zeigt sie ganz unaufgeregt und ohne Wertung, wie diese bei dem Wunsch nach Gutmenschentum oder interkulturellem Begegnungswillen in unvermeidliche Fettnäpfchen stolpern (herrlich: Ellen Dorn). Oder wie sie in die nahende Esstisch-Lieferung die Rettung ihrer gescheiterten Beziehung hinein sehnen (wunderbar zerrissen und nahbar: Isabel Baumert).

nachtkritik.de - Katrin Ullmann

Famose, klug inszenierte Szenenfolge (26.04.2021)

Endlich. Im ausverkauften, gleichwohl spärlich besetzten Haus feierte das Publikum die Rückkehr des Theaters, das sich prompt von seiner besten Seite präsentierte: mit einer famosen, klug inszenierten Szenenfolge und einem hervorragenden, sichtlich befreit aufspielenden Ensemble.
In einer geschickt miteinander verwobenen Collage zeigt Regisseurin Annette Pullen Menschen, die ihre Seelenräume öffnen. Große und kleine Geschichten blättern sie auf zwischen Umzugskartons, im Badezimmer oder auf dem heimischen Sofa – traurige, tragische, absurde und urkomische.  [...]
Lausund, Drehbuchschreiberin für Bjarne Mädels „Tatort-Reiniger“, deckt in ihren Texten Brüche auf, bringt Verdecktes ans Licht und lässt ihre Figuren vom schmalen Grat fragiler Zufriedenheit abstürzen. Annette Pullen hat diese Brüche mit Fingerspitzengefühl herauspräpariert, sensibles Spiel lässt sie spürbar werden. Hochverdient war der anhaltende Schlussapplaus – erstaunlich, wie viel Lärm ein kleines, begeistertes Publikum machen kann.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung - Sabine Christiani

Poetische Bilder (26.04.2021)

Ingrid Lausund kann das, das Politische subtil ins Persönlich-Alltägliche weben. Und Annette Pullen findet poetische Bilder dazu, lässt den Abend zwischen Komik und Tragik in sämtlichen Graden der Melancholie flirren. Behutsam verknüpft sie Geschichten und Figuren, lässt in filmischer Überblendung die Szenen verfließen. Mal bleibt einer übrig, mal zieht eine Reihe Wanderer durchs Bild, mit diesen karierten Plastiktaschen, die zum Sinnbild der Flucht geworden sind, für Reisen mit leichtem Gepäck.

Auf Iris Krafts Bühne, die Wundertüte ist und Schneckenhaus, Ordnungshelfer und Reisetasche, fungieren sie auch als Möbel: Das Leben, ein fortlaufendes Provisorium.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Dunkles im Witz (26.04.2021)

Ingrid Lausunds „Bin nebenan. Monologe für zuhause“ ist ein schönes Ensemblestück, neun mittelkurze Szenen, die Menschen in ihrem Wohnumfeld demaskieren. [...]
Man kann wieder lachen! Man freut sich! Zumal sich an anderer Stelle etwas Dunkles in den Witz einschleicht. Bei dem jungen, hilfsbedürftigen Mann (Tristan Steeg), der um Selbstbestimmung ringt und mit gnadenlosem Optimismus von häuslicher Gewalt erzählt. Oder bei der verhinderten Künstlerin (Anne Rohde), die sich eigentlich ganz gut eingerichtet hat im halb gescheiterten Leben, wäre da nicht ihre geisterhafte Mutter (groß: Claudia Macht), ein Mensch gewordener, durch den Bühnenhimmel schwebender Vorwurf.Da zeigen sich die Abgründe von Lausunds Alltagsbeobachtungen, und weil [Regisseurin Annette] Pullen [...] handwerklich sicher inszeniert, treten diese Abgründe deutlich hervor.

Hamburger Abendblatt - Falk Schreiber