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Anton Tschechow

Die Möwe

Neuübersetzung: Eva Gerberding, ca. 2 Stunden (keine Pause)
Spielstätte: Schauspielhaus
Do29.10.20:00Restkarten
Fr30.10.20:00Restkarten
Mi04.11.20:00Restkarten
Do05.11.20:00Karten

Der Lehrer Medwedenko liebt Mascha, Mascha liebt den jungen Schriftsteller Kostja, Kostja liebt die angehende Schauspielerin Nina, Nina liebt Trigorin, den Freund von Kostjas Mutter Arkadina, der wiederum nur sich selber liebt. Inmitten der Sommerhitze auf einem Landgut am See spielt Nina ein Theaterstück, das Kostja für sie geschrieben hat. Doch die Aufführung misslingt. Arkadina, selbst eine große Schauspielerin, lässt kein gutes Haar an ihrem Sohn. Am Ende des Sommers wird Nina Trigorin nach Moskau folgen und erst Jahre später gescheitert und mit gebrochenem Herzen zurückkehren.

»Das Leben darf nicht so dargestellt werden wie es ist, oder wie es sein soll, sondern so, wie wir es träumen«, heißt es in Tschechows bittersüßem Stück, in dem eine Gesellschaft aus Künstlern, Intellektuellen und Kleinbürgern zwischen ihrem Alltag und ihren Illusionen und Hoffnungen gefangen ist, in die Irre liebt und sich das Leben schwer macht. Einerseits komisch, andererseits mit entblößender Präzision seziert der große russische Dramatiker die Menschlichkeit und die Sehnsüchte seiner Figuren und schafft mit seinem wohl bekanntesten Stück atmosphärische Dichte, psychologische Tiefe, feinsiinige Komik und zarte Melancholie.

Premiere:  29. August 2020

Weitere Spieltermine folgen und werden im jeweiligen Monatsspielplan veröffentlicht.
Der Vorverkauf startet immer am letzten Donnerstag eines Monats für den übernächsten Monat, für Abonnent*innen bereits zwei Tage früher, also immer am letzten Dienstag eines Monats.

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: Die Möwe

Ab dem 29.08 im Kieler Schauspielhaus!

Pressestimmen

Erstaunlich neu (31.08.2020)

Erstaunlich neu erscheint Tschechows Gesellschafts- und Künstlerdrama hier. Lisa Gappel lässt zwischen Sehnsucht und Scheitern einen Reigen entstehen, ersetzt die Tableaus mit vorsichtiger Erkundung und wechselnden Zweierkonstellationen, die als Spiegelbilder im Beziehungskarussell wirken. Kostjas Stück wird da gleich zu Beginn zum aufregenden Solo für Nina, deren Erfolgs- und Liebessehnsucht Tiffany Köberich zwischen unbefangen schillernder Naivität und späterer Desillusionierung ausleuchtet – und die Figur mit ihrem feinnervigen Zugang im insgesamt präzise aufspielenden Ensemble zum Glanzlicht macht. Dagegen steckt Tristan Steegs Kostja in seinem Scheitern fest, erst ein gestenreicher junger Romeo, dann der Hardcore-Melancholiker, der Nina die tote Möwe vor die Füße legt. Irritierender Liebesbeweis und Sinnbild für den eigenen Absturz.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Mit leichter Hand (31.08.2020)

Die Figuren in Anton Tschechows „Die Möwe“ sind Meister im Totschlagen von Zeit – und allesamt unzufrieden mit sich und der Welt. In ihrer begeistert aufgenommenen Inszenierung am Kieler Schauspielhaus stellt Lisa Gappel die illustre Gesellschaft um die alternde Schauspielerin Arkadina und ihren Sohn Kostja in eine abstrakte Architektur aus hölzernen Kisten (Bühne: Anna Bergemann). Wie eine Seelenlandschaft bilden die roh gezimmerten Quader Höhen und Tiefen, die die Figuren im verbalen Ringen mit- und umeinander erklimmen oder durchschreiten. In ihren schrillen, manchmal polternden Auftritten, oberflächlich garniert mit Gesprächen über Kunst oder das Alter, über Pläne und Träume, offenbart sich bei allen die tiefe Sehnsucht, gehört, verstanden und geliebt zu werden. [...]
Blicke und kleine Gesten spielen eine wichtige Rolle in dieser sehenswerten Inszenierung, die unter der Flut von Worten den Schmerz und die Verletzlichkeit der Figuren herauspräpariert. Mit leichter Hand – und Abstand.

SHZ - Sabine Christiani

Intensive Paar-Debatten (30.08.2020)

Die Paar-Konflikte wirken deutlich verschärft in Lisa Gappels aktuellem Blick auf Tschechow; was natürlich auch damit zu tun, dass jede Form von massenhaftem Miteinander auf der Bühne virusbedingt unerwünscht ist. Was die jungen Leute einander zu sagen und zu erklären haben, aber auch die intensiven Debatten zwischen alternder Schauspielerin und Erfolgsschriftsteller, geraten stärker als sonst, intensiv und "eng" (wenn auch ohne Nähe oder gar Berührung); ganz so, als wäre "Die Möwe" ein kleines Kammerspiel. Der "andere Blick" weg von der Gruppe, hin zum Duett zeichnet sich also tatsächlich ab, auch wenn Lisa Gappels Kieler Aufführung nirgends absichtsvoll mit Effekten hantiert.

nachtkritik.de - Michael Laages