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Laurie Penny

Everything belongs to the future

Wie sähe eine Welt aus, in der Menschen nicht mehr altern und ihr Leben um das Doppelte verlängern können? Alles beginnt mit der Entwicklung von »The Fix«, einem Medikament, das den Alterungsprozess stoppt. Jetzt, im Jahr 2098, ist Lebenszeit ein Vorrecht der oberen Gesellschaftschichten und ewige Jugend ihr Kapital. Dass diese Droge nur den Reichen offen steht, findet eine aktivistische Untergrund-Organisation um Nina und ihren Freund Alex mehr als ungerecht. In Guerilla-Aktionen stehlen sie die Lebenszeit verheißenden Pillen, um sie an Arme zu verteilen. Als sie bei einem Einbruch jedoch ausgerechnet Daisy, der Entdeckerin von »The Fix«, begegnen, nehmen die Ereignisse eine neue Wendung.
Die 1986 geborene Essayistin und Journalistin Laurie Penny ist eine der profiliertesten feministischen und gesellschaftskritischen Stimmen der Gegenwart. Mit »Everything belongs to the future«, ihrem ersten Roman, stellt sie die provokante Frage nach sozialer Gerechtigkeit in Zeiten zunehmenden technisch-medizinischen Fortschritts.  Mit der 2018 uraufgeführten Theaterfassung der Novelle setzt das Schauspiel Kiel im Studio nach »1984« und »Die Netzwelt« seine Auseinandersetzung mit dystopischen Zukunftsfantasien fort.

Bühnenbearbeitung Laura N. Junghanns

Premiere 1. März 2020
 

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: »Everything belongs to the futre«

Ab dem 1. März 2020 im Studio im Schauspielhaus.

Pressestimmen

Zirkulieren durch Zeiten und Schauplätze (03.03.2020)

Gar nicht so fern erscheint die Dystopie in Zeiten, in denen Werbung und Medien das Streben nach Verlängerung der Jugend längst zum gesellschaftlichen Leitbild stilisiert haben. Annette Pullen verpackt sie in eine Art Stationendrama, das sich zum Trip entwickelt. Es ist dann im Studio auch ein bisschen wie auf dem Abenteuerspielplatz, zwischen den Stationen, die Ausstatterin Nina Sievers im Raum und um die Zuschauer herum verteilt hat: ein blau schimmerndes Bällebad, das den Jungbrunnen symbolisiert, die Gefängniszelle ein einsames Podest, der rostige Food-Truck der Rebellen ein Relikt von Idylle und Flower-Power. Und in der Mitte liegt ein Boot wie gestrandet, die Zentrale von Team Threehundred, das „The Fix“ produziert. Vier Schauspieler zirkulieren durch Zeiten und Schauplätze. Und obendrüber thront Kammerschauspielerin Almuth Schmidt als moralische Instanz. [...]
Da hat Tiffany Köberichs punkig aufmüpfige Nina wenig Möglichkeit, sich über das Bild der radikalisierten Kämpferin und (gar nicht im Sinne Pennys) enttäuschten Liebenden hinaus zu entwickeln. Und auch Tony Marosseks Alex bleibt gefangen in der Rolle des zwischen Eigennutz und Klassenkampf zerrissenen Revoluzzers. Spannender sind wie so oft die Bösen im Spiel, die Nina Sievers zwischen Star Trek und Galaxy Quest hübsch futuristisch ausstaffiert hat. Maximilian Herzogenrath gibt den Manager der Wunderpille als raumgreifenden Partylöwen und Einpeitscher. Und Anne Rohde lässt ihre Daisy in replikantenhafter Künstlichkeit und mephistophelischer Doppeldeutigkeit schillern. Eindrückliches Zentrum der Geschichte.

 

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Atemloser Bilderreigen (03.03.2020)

Staunend verfolgen sie den rasanten Wechsel der Schauspieler von dem als blaues Bällebad definierten Quell der Jugend zur abgeranzten Wohngemeinschaft bis zur neongrell ausgeleuchteten Zelle, in der eine gealterte Nina (Kammerschauspielerin Almuth Schmidt) ihrem Spiegelbild ausgesetzt ist.
Schnell geht es hin und her zwischen den jungen Rebellen (Tony Marossek, Tiffany Köberich) und den nach Lebensjahren uralten, optisch jedoch blutjungen Nutznießern der Pille. Grellblaue Kontaktlinsen geben letzteren etwas puppenhaft Unmenschliches. Während es dem schmierigen Parker (Maximilian Herzogenrath), der unter den tanzenden Lichtern einer Discokugel marktschreierisch für ein Leben in Überlänge wirbt, gelingt, Alex mit der Aussicht auf 50 Lebensjahre Plus zum Handlanger seiner zwielichtigen Pläne zu machen, scheint Daisy (Anne Rohde) des Zaubers überdrüssig.
Kurz sind die Szenen, in denen aus dem Gegeneinander der Parteien ein heimlichen Miteinander, aus dem Sozialdrama ein Krimi wird – ein atemloser Bilderreigen, der wenig Zeit für Tiefe lässt. Und dennoch fesselt. Herzlicher Applaus.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung - Sabine Christiani

Dystopie, die der Wirklichkeit nicht fern liegt (03.03.2020)

Eine Dystopie, die der Wirklichkeit, in der über Werbung und Medien das Streben nach ewiger Jugend zum Leitbild geworden ist, gar nicht so fern liegt.
Vier Schauspieler spielen sie zwischen den Zeiten, Schauplätzen und Denkräumen zirkulierend durch. Und über allem thront Kammerschauspielerin Almuth Schmidt als schnell gealterte Heldin Nina. Eben hat sie noch als jugendliche Kämpferin zum finalen Schlag gegen das System ausgeholt. Jetzt scheint ihre Zeit vorbei, wie sie da sitzt, allein mit ihrem Spiegelbild, wie im Selbstgespräch. Was ihr geblieben ist, ist Deutungshoheit; im Rückblick lässt sie die Geschichte Revue passieren.

Die deutsche Bühne - Jana Beruth