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David Mamet

Oleanna

ca. 60 Minuten
Fr21.02.20:30Restkarten
So08.03.19:30Karten
So15.03.19:30Karten
Fr20.03.20:30Karten

Ein Sprechzimmer in einer Universität, irgendwo in den USA. In drei sich immer weiter zuspitzenden Begegnungen treffen hier die junge Studentin Carol und ihr Professor John aufeinander. Aus einer scheinbar harmlosen Beratung über ein Seminar, das Carol besucht, entsteht dabei ein Missverständnis, das John nicht nur seine Karriere, sondern auch seine eigentlich glückliche Ehe kosten kann. Ein Missverständnis? Oder vielleicht doch eher eine sexistisch motivierte Grenzüberschreitung?

Der berühmte amerikanische Theater- und Drehbuchautor David Mamet nimmt in seinem 1992 uraufgeführten Dialog die #metoo-Debatte vorweg. Geschickt führt Mamet in den Dialogen die Zuschauer*innen in die Irre und lässt das tatsächlich Geschehene in der Schwebe. Reagiert Carol überempfindlich auf eigentlich normale zwischenmenschliche Kommunikation oder nutzt John das Machtgefälle zwischen ihnen aus? Immer wieder in der Grauzone persönlicher Wahrnehmungen changierend, ist Mamets Stoff brisanter denn je und eine künstlerische Antwort auf aktuelle Missbrauchsfälle, aber auch auf die Ambiguität von Alltagssexismus.

Premiere  19. Januar 2020  

Weitere Spieltermine folgen und werden im jeweiligen Monatsspielplan veröffentlicht.

Audio

Werkeinführung in 2 Minuten: »Oleanna«

ab dem 19. Januar 2020 im Studio im Schauspielhaus

Pressestimmen

Konzentriertes Kammerspiel (21.01.2020)

Die Lunte ist kurz, mit der Jule Gröning das Konversationsstück von cool ins Hitzige treibt. Und irgendwann lassen die Schauspieler Carol und John tatsächlich aufeinander los. Das Missverständnis wird hier zur Waffe, die Sätze stehen im Raum wie niedergegangene Geschosse. Und wie Tiffany Köberich zur skrupellosen Rächerin mit der Mission zur Vernichtung wird, ähnelt in seiner beängstigenden Kompromisslosigkeit fast religiösen Extremismus.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Theaterabend, der nachklingt (22.01.2020)

In ihrem eindrucksvollen, vom Publikum begeistert aufgenommenen Regiedebüt zeigt Jule Gröning ein spannungsgeladenes Machtspiel, dessen Vorzeichen sich im Lauf von drei Begegnungen radikal verändern. Tiffany Köberich und Oliver E. Schönfeld liefern sich mit und ohne Worte ein Duell, das an Intensität kaum zu überbieten ist. Dabei wandelt sich die anfangs zögerliche, um Worte ringende Carol in eine selbstsicher auftretende, zornige Anklägerin. Bleischwer hängt ihr Vorwurf der versuchten Vergewaltigung im Raum – wie kurz zuvor seine viel zu sanfte, ja zärtliche Berührung ihres Armes. Und doch scheint ihre Beschuldigung absurd. Die Frage drängt sich auf, wo ein Übergriff beginnt und was er in den Menschen auslöst. Je tiefer Carol John in die Knie zwingt, desto größer wird ihre Lust am Spiel mit der Macht. [...] Eine klare Zuschreibung von Täter und Opfer gibt es nicht in diesem feinsinnig inszenierten Machtspiel. Die Perspektiven wechseln, eine Bewertung liegt im Auge des Betrachters. Ein Theaterabend, der nachklingt.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung - Sabine Christiani

Konzentrierte Inszenierung (22.01.2020)

Man braucht die aktuell aufgeladene #metoo-Debatte nicht, um die Brisanz von David Mamets „Oleanna“ zu begreifen. Der schon 1992 uraufgeführte Bühnen-Dialog zwischen einem Professor und seiner Studentin funktioniert als Machtspiel auf akademischen Gelände – mit unerwartetem Ergebnis. Das führt die junge Regisseurin Jule Gröning mit einer konzentrierten Inszenierung im Studio des Kieler Schauspiels vor und sichert sich damit zustimmenden Premierenbeifall. [...] Allmählich also kippen die Machtverhältnisse aus dem vorgefassten Schema [...]. Der Professor wird, so lässt sich ahnen, zum Verlierer. Und Jule Grönings Inszenierung forciert diese Prognose, obwohl ihre Figurengestaltung grobe Typisierungen vermeidet. So lässt die Regisseurin Oliver E. Schönfeld einen weichen, fast gemütlichen Lehrer-Teddy spielen, dem nicht vorgeführte Härte, sondern eine zu nachgiebige und damit unklare Haltung zum Verhängnis wird. Dagegen kommt Tiffany Köberichs Carol taktisch klug nur allmählich aus der Deckung, sie bleibt lange rätselhaft und ihre sich steigende, am Ende schier gnadenlose Attacke kommt mit heftiger Überraschung.

Hansen & Munk - Christoph Munk