Weihnachtsmärchen: Die kleine Hexe
Endlich mit den anderen Hexen zur Walpurgisnacht auf dem Blocksberg zu tanzen, das ist der größte Wunsch der kleinen Hexe. Aber dafür ist sie mit ihren 127 Jahren leider noch zu jung. Heimlich schleicht sie sich trotzdem zur Hexennacht und wird prompt erwischt. Zur Strafe bekommt sie die Aufgabe, bis zum nächsten Jahr eine »gute« Hexe zu werden. Wenn sie die Hexenprüfung besteht, darf sie beim großen Tanz endlich dabei sein. Mit Hilfe ihres treuen Gefährten, dem bedächtigen Raben Abraxas, macht sie sich daran, das ganze Hexenbuch vorwärts und rückwärts zu lernen. Dass es beim Regenzauber Buttermilch oder gar weiße Mäuse regnet, das soll ihr nicht noch einmal passieren. Und Anlässe, die neuen Hexenkünste zu erproben, gibt es genug. Allerdings steht sie dabei unter ständiger Beobachtung der bösen Hexe Rumpumpel, die mit allen Mitteln verhindern will, dass die kleine Hexe ihr großes Ziel erreicht. Am Ende scheint es so, als hätten Abraxas und die kleine Hexe gründlich missverstanden, was es bedeutet, eine »gute« Hexe zu sein.
Mit Fleiß, Witz und Mut lehnt sich die kleine Hexe gegen die Welt der Erwachsenen auf und findet für sich selbst heraus, was »gut« und was »schlecht« ist. Mit Otfried Preußlers humorvollem Kinderbuchklassiker bitten wir im Opernhaus zum Hexentanz – für die ganze Familie und mit eigens komponierten Songs.

Sprachwitz, Slapstick und präzisem Timing (24.11.2025)
Mit griffigem Witz, Gefühl für Wendungen und in einer Umgebung, die Bühnenbildnerin Kira Carstensen mit wenigen variablen Turmbauten vom Traumraum zum Abenteuerspielplatz und vom Kinderzimmer zum Hexenhaus wandelt.
Genau der richtige Ort für Claudia Friebels formidabel eigensinnige Nachwuchshexe. Sie spielt sie als Freigeist mit kindlichem Dickkopf und unverblümter Kreativkraft. [...] An ihrer Seite hat die kleine Hexe dabei stets ihren Raben Abraxas, den Felix Zimmer mal vorwitzig, mal vorsichtig um die kleine Hexe herumkrächzen und -flattern lässt. [...] Daneben wieselt das Ensemble, verstärkt von Jugendlichen aus der Chorakademie des Theaters Kiel, locker durch die Rollen und wandelt sich zur fantasievollen Hexenschar oder in lustiges Marktvolk (Kostüme: Johanna Burfeind). Und Rebekka Wurst und Philipp von Schön-Angerer verstärken die Seite der kleinen Hexe als verirrte Kinder oder gebeugte Holzsammler. In knalligem Pink lässt Marius Borghoff nicht nur die Muhme Rumpumpel zur komischen Hochform auflaufen, sondern ein ganzes Arsenal kleinbürgerlicher Miesepeter oder Denunzianten. Ganz anders daneben Isabel Baumerts ziemlich coole Oberhexe, die auftritt wie direkt aus der Manager-Etage rekrutiert. [...] Mit Sprachwitz, Slapstick und präzisem Timing geht es flott voran. Und mit einem Soundtrack, der zwar diesmal mit Ausnahme des durchweg gelungenen Live-Gesangs vom Band kommt, den die Wiener Musikerin Stephie Hacker aber mit verheißungsvollem Windspielklimpern, munter trabendem Klavier und polterndem Schlagwerk hexenwelttauglich gemacht hat.
Kieler Nachrichten - Ruth Bender