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Hugo von Hofmannsthal
Richard Strauss

Die Frau ohne Schatten

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Die Kaiserin aus dem Feenreich kann keine Kinder bekommen, die Färberin aus dem Menschenreich will keine Kinder bekommen. Um ihren Mann vor dem Versteinern zu retten, will die Kaiserin in die Welt der Menschen, um sich einen Schatten (sprich: Gebärfähigkeit) zu erhandeln. Das erzeugt Unwillen bei der Amme: »Sich an die Menschen hängen, heißt sich ausgießen in ein durchlöchertes Fass.« Die panische Suche nach einem Schatten an der Seite ihrer tricksenden Amme führt die Kaiserin zu der Färberin, die sich ihrem Mann verweigert. Für ewige Jugend wäre die Färberin bereit, ihren Schatten zu verkaufen, doch die Kaiserin macht die Aussicht auf diesen Handel nicht glücklich ...
Eine Oper zwischen Sigmund Freud und E.T.A. Hoffmann und im Abstreifen des »Wagnerschen Musizierpanzers« (Strauss) so modern, dass man schwerlich um sie herumkommt. Mit einem bewundernden Blick auf Mozarts »Zauberflöte« schuf das Erfolgsduo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal 1917 ein rätselhaftes, symbolträchtiges und klangmächtiges Riesenwerk, auf das man aus vielen Perspektiven schauen kann: Stellt es ein Schwelgen in Zauberwelten dar, während im ersten Weltkrieg die alte Zeit zugrunde geht? Oder zeigt es den Prüfungsweg zweier Paare, auf dem zwei Frauen sich selbst überwinden? Oder erleben wir eine Studie weiblicher Psyche kurz nach Freuds Postulierung sexueller Neurosen? Man darf auf die Sichtweise der Regisseurin Brigitte Fassbaender gespannt sein!  

Premiere am 9. März 2019

Spieldauer ca. 4 Stunden (inkl. zwei Pausen)

Audio

Werkeinführung in zwei Minuten: »Die Frau ohne Schatten«

Ab dem 9. März 2019 im Opernhaus

Pressestimmen

Entschlackungskur (26.04.2019)

Die historisch-politische Perspektive des Regieteams wird psychologisch präzise fokussiert und durchgeführt, der im Grunde nicht neue Ansatz erhält eine enorme und fürwahr seltene Glaubwürdigkeit - und führt die in allzu insistierendem C-Dur ins Leben geworfenen Ungeborenen des utopischen Finales mit Konsequenz in den nächsten Absturz der Menschheit.
Der Kieler Abend glückt so sehr, weil Szene und Musik ideal ineinandergreifen. Georg Fritzsch treibt dem Orchester des Hauses den jugendstilverblümten Schönheitsrausch ebenso aus wie das Pathos der Spätromantik. Seine durchweg vorantreibenden Tempi schärfen die Modernität der Partitur, dringen in die freudianischen Abgründe derselben vor und zwingen die famosen Sänger zu deklamatorischer Deutlichkeit. Eine echte Entdeckung ist die Amerikanerin Rebecca Nash, die der Färberin hochdramatische, perfekt fokussierte Elektra-Töne leiht. Zu einer enorm textdeutlichen, soprangleißenden Kaiserin herangereift ist Ensemblemitglied Agnieszka Hauzer.

Opernwelt - Peter Krause

Die Frau ohne Schatten (01.04.2019)

Ein fulminanter Premierenerfolg zum Abschied: Georg Fritzsch, der langjährige, zum Ende dieser Saison aus dem Amt scheidende GMD der Oper Kiel, hat sich für seine letzte Premiere an der Förde ein Großkaliber ausgesucht und sich für die szenische Umsetzung prominenter Unterstützung versichern können. Gemeinsam mit Regisseurin Brigitte Fassbaender, wie Fritzsch ausgewiesene Strauss-Kennerin, schenkt er sich und seinem Haus mit »Die Frau ohne Schatten« eine ebenso fordernde wie im künstlerischen Gesamtresultat beglückende Herausforderung, die vom Premierenpublikum am Ende zu recht gefeiert wird.

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Ein Paradebeispiel pontiert nuancierter Gestaltung bietet Irmgard Vilsmaier als Amme: Ihr gelingt nicht nur die wortverständlichste Artikulation, sie lebt den Text mit Stimme, Sprache und Spiel (inklusive der interpretatorischen Nuance einer möglicherweise lesbischen Liebe zur Kaiserin). ...

Opernglas - Ralf Tiedemann

Große Oper mit Stacheln im Fleisch (11.03.2019)

In hellstem musikalischem Licht steht die Kieler Oper bei »Frau ohne Schatten«: Georg Fritzsch leitet seine letzte Premiere als Kieler GMD, präsentiert »große Oper pur«. Und Brigitte Fassbaenders Inszenierung nähert sich dem zweischneidigen Werk mit Menschlichkeit und unumgänglicher Ironie.

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Starke Sängerinnen hat die neue Kieler »Frau ohne Schatten« mit Agnieszka Hauszer als stimmlich-darstellerisch anrührend agiler Kaiserin, Irmgard Vilsmaier als willensstarker, weniger dämonischer als getriebener Amme und Rebecca Nash als frustrierter, emotional explodierender Färberin. Als Färber Barak (mehr Büromensch als Handwerker) macht Thomas Hall in der Mischung aus Stimmpräsenz und Darstellungsdistanz glaubhaft, warum seine allzu stoische Geduld die Frau zur Weißglut treibt. Auch die übrigen Rollen sind hochkarätig besetzt. Stimmlich intensiv erklingen aus dem Off der Kieler Opern-, Kinder- und Jugendchor (Einstudierung Lam Tran Dinh, Moritz Caffier und Nina Baudhuin).

Fazit: Eine unbedingt besuchenswerte Aufführung eines großen, ambivalenten Werkes!

Kieler Nachrichten - Michael Struck

Zweifel am Kindersegen (14.03.2019)

Die Inszenierung fragt nach dem gleichberechtigten Miteinander. So sind die Szenen zwischen Barak und seiner Frau von anrührender Dichte. Rebecca Nash verkörpert und singt sie mit allen Fassetten zwischen Verweigerung und Zuneigung, von unbewusster Begierde und von kalkülhaftem Verhalten. Dem Färber gibt Thomas Hall, als Gast schon häufig in Kiel, die starke Kraft des in sich Ruhenden. Nichts erschüttert ihn und seinen klangvollen Bariton. Das kaiserliche Gegenpaar gestalteten Agnieszka Hauzer und Bradley Daley. Es ist mehr noch als das Färberpaar durch Konventionen geprägt. Die Sopranistin ist in Kiel hoch geschätzt, machte aus ihrer Rolle wieder ein Kabinettstück, vor allem in ihrer Verzweiflung, aus dem Zwiespalt zwischen Gewissen und Liebe einen Ausweg zu finden. Die männliche Seite hatte es wie bei den Menschen einfacher. Der Heldentenor von Bradley Daley glänzte dabei wieder in seiner zuversichtlichen Kraft. Einen besonders starken, vielseitigen Eindruck hinterließ Irmgard Vilsmaier, wenn sie sich zunächst im Dienste der Kaiserin bewährt, dieser Vertrauen einzuflößen, dann mit mephistophelischer Attitüde die Frau zu manipulieren beginnt, um schließlich, nach der Läuterung der Kaiserin, in Verzweiflung verbannt zu werden. Das ist ein Seelendrama von imponierendem Gewicht, das sie in allen Lagen kraftvoll und sicher formt.

Neue Musikzeitung - Arndt Voß

Oper Kiel: »Die Frau ohne Schatten« (11.03.2019)

Traumhafte Musik im märchenhaften Setting mit philosophischem Unterton. In Brigitte Fassbaenders Inszenierung in Kiel machen die Sängerinnen und Sänger auch schauspielerisch Eindruck.

NDR 1 Welle Nord - Andrea Ring