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Creations

Zweiteiliger Tanzabend von Georg Reischl und Yaroslav Ivanenko
Spielstätte: Opernhaus

Der Tanzabend »Creations« wartet gleich mit zwei Uraufführungen auf: »(h)ruof« stammt vom österreichischen Choreografen Georg Reischl und »Following a Bird« vom Kieler Ballettdirektor Yaroslav Ivanenko.

Individuen, die ihren Kehlen verzerrte Vogelstimmen entlocken. Körper, die in Wellen einem Rhythmus folgen. Wer den balinesischen Kecaktanz einmal erlebt hat, wird ihn nicht wieder los – im Fall von Georg Reischl ist das gut so, denn das Ritual diente ihm als Inspiration für sein neues Tanzstück. »Der Rhythmus ist eine treibende Kraft, die durch die Körper der Tänzer ihre Vollendung findet«, beschreibt Reischl seine Herangehensweise an die eigens für Kiel geschaffene Choreografie.

Reischl bringt zwei Weggefährten mit nach Kiel: Schlagzeuger und Komponist Vincent Glanzmann, der die Musik für die neue Choreografie lieferte, und Kostümbildner Min Li. Mit Glanzmann hat Reischl am Luzerner Theater bereits hypnotisierende Abende entworfen, mit Li an der Hannoverschen Staatsoper Tänzer*innen in avantgardistischer Mode durch Zeiten springen lassen. Für »(h)ruof« bilden sie ein Dreiergespann, auf das man visuell wie auditiv gespannt sein darf.

»Following a Bird« von Yaroslav Ivanenko erwuchs aus der Faszination für die Musik und Biografie des italienischen Ausnahmemusikers Ezio Bosso. Der 1971 geborene Komponist, Dirigent, Pianist und Kontrabassist ist kein typischer klassischer Interpret und seine Musik ein seltener Mix aus Avantgarde und populären Stilrichtungen der Gegenwart. 2011 war bei Bosso völlig überraschend eine unheilbare neurodegenerative Krankheit diagnostiziert worden, die ihm u. a. das Gehen und Sprechen schwer macht, aber ihn nicht daran hindert, weiterhin in den großen Konzerthäusern der Welt aufzutreten und Musik von ungeheurer emotionaler Tiefe zu schaffen.

Genau diese Emotionalität ist es, die Ivanenko nicht mehr losließ und zu seiner Choreografie inspirierte: »Diese Musik kann so viele verschiedene Gefühle hervorrufen. Das ist das Wunderbare daran, und das möchte ich auf die Bühne bringen«. Dafür kombinierte Ivanenko nicht nur Stücke von Bosso selbst, sondern ergänzte sie um Werke von Max Richter und Kimmo Pohjonen, und damit zweier weiterer zeitgenössischer Komponisten, deren Musik ähnlich packend wie die von Bosso ist.

Audio

Werkeinführung in zwei Minuten: »Creations«

Ab dem 30. März 2019 im Opernhaus

Pressestimmen

Kraftvoll und ausdrucksstark (01.04.2019)

Einen perfekten Ballettabend bescherten Yaroslav Ivanenko und Georg Reischl dem Kieler Premierenpublikum am Sonnabend im nahezu ausverkauften Opernhaus. Unter dem Titel »Creations« präsentierten der Kieler Ballettchef und sein Gast aus Österreich ein aufregendes choreographisches Kontrastprogramm. [...] Ausdrucksstark sind die Ensembleszenen, in denen synchrone und gegenläufige Bewegungsmuster spannende Kontraste setzen. Paare bilden sich, im harmonischen Gleichklang eines Pas de deux scheinen die Tänzer der Schwerkraft zu trotzen, alles wirkt leicht und ist doch akrobatische Höchstleistung.

Schleswig Holsteinische Landeszeitung - Sabine Christiani

Ballett Kiel: Creations (01.04.2019)

Fazit: Ein absolut mitreißender Tanzabend. Mal meditativ, mal hochexplosiv und traumhaft schön. Das Kieler Ballett fesselt in zwei energiegeladenen Choreografien zu 100 Prozent. 

NDR 1 Welle Nord - Andrea Ring

Ritual und Rave in purer Energie (01.04.2019)

Was Georg Reischl da in seiner Choreografie »(h)ruof« mit dem Kieler Ballett in dem neuen Tanzabend »Creations« im Opernhaus anzettelt, ist eine Übung in purer Energie, die Erkundung ihrer Formen und Aggregatzustände, unterstützt von den prachtvoll wogenden Gewändern von Min Li. Und es zeigt die Tänzer von Yaroslav Ivanenko, der solche Experimente mit schöner Regelmäßigkeit nicht nur zulässt, sondern bewusst initiiert, wieder einmal enorm wandlungs- und begeisterungsfähig.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

Im Tanz – graziler Vogelflug und archaisches Ritual (02.04.2019)

Im ersten Teil erstaunten das Raumgefühl und die enorme Beweglichkeit der Tänzer, die viel im Ensemble, in einigen Phasen auch in kleineren Gruppen sich bewegten, aber in jeder Nuance vom Vogelflug inspiriert waren. Wie im dichten Schwarm umflatterten sie sich, ständig in Dichte und Form wechselnd. Das imitierte die verwirrenden Flugbilder, die eine Wolke der Gefiederten am Himmel bietet.

Es sind geheimnisvolle Muster der Schwerelosigkeit, chaotisch anmutend, im nächsten Moment geometrisch in Reihen oder Kreisen geordnet, linear oder in Gassen. Wie das Ensemble das immer neu erfand, raumfüllend oder eng beieinander, war eindrucksvoll.

Unser Lübeck - Arndt Voß